Lehre von Dr. Klara-Aylin Wenten
Sommersemester 2026
Kommentar:
Das Seminar untersucht Techno-Musik als soziale Praxis und nicht (nur) als Musikstil. Es fragt danach, wie sich in Clubs, auf Raves und Festivals spezifische Formen von Gemeinschaft, Körperlichkeit, Emotion, Zeitlichkeit und Politik herausbilden. Techno erscheint dabei als Labor moderner und spätmoderner Vergesellschaftung: zwischen Hedonismus und Askese, Subkultur und Kommerzialisierung, Ekstase und Kontrolle.
Anhand klassischer und aktueller Texte der Jugend-, Kultur‑ und Musiksoziologie werden zentrale Dimensionen der Technokultur analysiert: Szenen und Milieus, Medien und Kommerzialisierung, Identität und Körper, Raum und Urbanität, Geschlecht und Sexualität, Rassismus und Exklusion, sowie Fragen nach politischer Bedeutung und Widerständigkeit. Empirische Fallbeispiele (z.B. Clubkultur, Festivals, lokale Szenen) werden mit theoretischen Perspektiven (u.a. Erlebnisgesellschaft, Sozialisation, Beschleunigung, Körper- und Emotionssoziologie, Raumsoziologie) verknüpft. Geplant sind zudem eine Exkursion in einen Club in Kassel sowie Gespräche mit verschiedenen Akteuren in der Techno-Szene.
In dem Seminar werden die Teilnehmenden
-zentrale soziologische Ansätze zur Analyse von Pop‑ und Technokultur kennenlernen
-Techno als kulturelle Praxis im Kontext von Jugendkultur, Urbanität und Ökonomie einordnen können
-in der Lage sein, eigene Beobachtungen (z.B. aus Clubs, Medien, Szenekommunikation) mit soziologischen Begriffen und Theorien zu verknüpfen
-Macht‑, Geschlechter‑ und Differenzverhältnisse innerhalb der Technoszene und darüber hinaus reflektieren
-das Lesen theoretischer Texte, das Verknüpfen mit empirischen Beispielen aus der Praxis sowie das Verfassen kürzerer soziologischer Analysen erlernen
Das Seminar richtet sich an Studierende im Bachelor Soziologie, die Interesse an kultursoziologischen, gegenwartsdiagnostischen und theoretischen sowie qualitativen Zugängen haben.
Kommentar:
Das Master-Seminar widmet sich zentralen Konzepten des Posthumanismus und dem Neuen Materialismus, mit Fokus auf Friktionen, Brüchen und dem Dazwischen als Schlüsselkategorien sozio-materieller Dynamiken. Es untersucht, wie menschliche und nicht-menschliche Akteure miteinander verflochten sind und wie sie in diesen Verflechtungen wirken, materielle Prozesse und soziale Ordnungen durchkreuzen, normative Dualismen (Subjekt/Objekt, Natur/Kultur, Leib/Diskurs) dekonstruieren und Machtbeziehungen irritieren.
Thematische Schwerpunkte umfassen Affekt und Körper als agentische Kräfte, algorithmische Vermittlungen, ökologische Verstrickungen sowie postqualitative Methoden der Forschung. Texte von Autor*innen wie Karen Barad, Rosi Braidotti, Donna Haraway, Jane Bennett und Isabelle Stengers werden mit soziologischen Debatten und Theorien (z.B. Netzwerk- und Affekttheorien, Strukturalismus und Poststrukturalismus) verknüpft bzw. verglichen und kritisch reflektiert. Neben der theoretischen Auseinandersetzung wird das Seminar Anwendungsbeispiele wie KI-Chatbots, toxische Stoffe oder bio-digitale Hybriden heranziehen.
Nach dem Seminar werden die Seminarteilnehmenden in der Lage sein,
-Schlüsselkonzepte aus der posthumanistischen Theorie und dem Neuen Materialismus analytisch zu durchdringen und kritisch zu reflektieren
-Friktionen und Brüche als ontologische und epistemologische Produktivitäten theoretisch fundiert zu analysieren
-Posthumanistische Ansätze und Konzepte mit anderen soziologischen Theorien zu vergleichen und die Stärken und Schwächen zu erkennen
-posthumanistische Perspektiven auf empirische Phänomene anzuwenden und eigene Forschungsdesigns im Kontext des Neuen Materialismus zu entwickeln
Das Seminar richtet sich an Master-Studierende der Soziologie mit Interesse an innovativen, interdisziplinären Theorien und experimentellen Methoden. Vorkenntnisse im Neuen Materialismus sind von Vorteil, aber nicht zwingend.
Wintersemester 2025/26
Kommentar:
Emotion und Rationalität gelten häufig als Gegensätze – das Gefühl als impulsiv und unberechenbar, die Vernunft als kalkulierend und kontrolliert. In der soziologischen Analyse wird diese Dichotomie jedoch zunehmend hinterfragt. Emotionen sind nicht bloß individuelle, psychologische Phänomene, sondern tief in soziale Strukturen, kulturelle Normen und institutionelle Kontexte eingebettet. Ebenso ist Rationalität kein neutraler Maßstab, sondern selbst historisch und sozial konstruiert sowie auch eng mit Emotionen verwoben. In diesem Seminar untersuchen wir, wie zentrale soziologische Theorien dieses Verhältnis von Emotion und Rationalität konzipieren. Wir beschäftigen uns u.a. mit klassischen Ansätzen in der Soziologie, neueren kultursoziologischen Perspektiven und ihren theoretischen Verbindungen und Abgrenzungen.
Lernziele:
Die Studierenden sollen nach erfolgreichem Abschluss des Seminars befähigt sein für:
- Theoretische Reflexion: sich mit klassischen und aktuellen theoretischen Ansätzen auseinandergesetzt haben, diese vergleichen und über das Verhältnis von Emotion und Rationalität reflektieren können
- Konzeptuelle Transferleistung: eigene Fragestellungen zum Spannungsfeld von Gefühl und Vernunft entwickeln können
- Gegenstandsbezogene Analysekompetenz: die Fähigkeit erlernt haben, emotionale Dynamiken in sozialen Kontexten zu identifizieren und analytisch zu erfassen
- Kollaborative Praxis: wissenschaftliche Argumente im Austausch mit anderen Studierenden theoretisch zu diskutieren, überprüfen und ggf. weiterzuentwickeln (Gruppenarbeit, Diskussionen, Peer-Feedback)
Comment:
This seminar explores the intersection of queer feminist theory, AI studies and Science and Technology Studies (STS) within contemporary sociology. As AI technologies increasingly shape social life, labor, identities and governance, critical questions arise: How are gender, sexuality, race or ability encoded into AI systems? What does it mean to develop, use or resist AI devices? And how can queer feminist epistemologies offer alternative modes of understanding, designing and resisting such technological systems?
Through a combination of theoretical texts and more practical, empirical studies, this course critically investigates how power, normativity and resistance manifest in algorithmic systems. We will examine both the material conditions of AI development (data, labor, infrastructures) and the symbolic orders they (re)produce (e.g. binary logics, normative embodiments, surveillance dynamics). Key concepts such as algorithmic bias, data feminism, technonormativity, and crip technoscience will be central to our discussions.
The seminar fosters interdisciplinary engagement, encouraging students to work across theory and practice in the fields of sociology, gender studies, sustainability studies and AI development.
Learning outcomes:
By the end of the seminar, students will be able to:
- Differentiate between and critically reflect on the different theoretical accounts in STS, AI studies, gender studies and sociology
- Critically analyze current AI technologies using queer feminist and intersectional sociological frameworks
- Understand and apply key concepts such as algorithmic bias, data feminism, technonormativity, and queer infrastructure to current socio-technological phenomena
- Evaluate how social categories (e.g., gender, race, sexuality, disability) are embedded in algorithmic systems and their development
- Reflect on possibilities for transformative, resistant or non-normative engagements with AI
Sommersemester 2025
Kommentar:
In einer Zeit, in der Technik zunehmend unsere Gefühlswelten beeinflusst, stellt sich die Frage: Wie verändern technologische Innovationen unser emotionales Erleben und wie begegnen wir selbst Technologien auf emotionaler Ebene? Das Bachelor-Seminar „Empirisches Forschungsprojekt: Ethnografien von Emotionen und Technik, Teil 2“ bietet den Studierenden eine fundierte Einführung in die empirische, qualitative Sozialforschung mit einem besonderen Fokus auf die komplexen Beziehungen zwischen Emotionen und Technik. Im zweite n Teil des Empiriepraktikums setzen wir uns näher mit der Ausrichtung und Durchführung eines empirischen Forschungsproekts zum Verhältnis zwischen Emotionen und Technik auseinander. Dabei stehen Fragen im Vordergrund wie: Welche Emotionen werden durch den Einsatz bestimmter Technologien hervorgerufen? Wie beeinflussen technologische Innovationen unsere emotionalen Erlebnisse und sozialen Interaktionen? Und welche Rolle spielen Emotionen dabei, Technik zu benutzen?
Der zweite Teil des Seminars beinhaltet einerseits die Weiterentwicklung einer eigenen Fragestellung sowie der eigenständigen Recherche des relevanten Forschungsstandes. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf die kritische Auseinandersetzung mit theoretischen und empirischen Texten aus der Techniksoziologie und der Emotionsforschung gelegt. Andererseits wird sich dieser Teil der Datenauswertung, Analyse und Interpretation widmen sowie sich damit beschäftigen, wie die Ergebnisse im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie verschriftlicht werden.
Kommentar:
In der heutigen Gesellschaft werden Emotionen zunehmend in und durch digitale Technologien vermittelt, angeregt, ausgehandelt, technisch ausgewertet und sogar simuliert. Doch wie können wir das Zusammenspiel zwischen Technologien und Emotionen theoretisch fassen? In diesem Seminar untersuchen wir, wie (digitale) Technologien, von Emojis, sozialen Plattformen bis hin zu Künstlicher Intelligenz, Emotionen erzeugen, kanalisieren, transformieren und technisch nachahmen. Dabei betrachten wir sowohl Perspektiven und theoretische Konzepte aus der Emotionssoziologie, den Affect Studies als auch der Techniksoziologie und den Science and Technology Studies.
Ziel des Seminars:
Das Seminar zielt darauf ab, den Studierenden verschiedene soziologische Theorien und Perspektiven auf das Wechselverhältnis zwischen Technologien und Emotionen zu vermitteln. Im Zentrum steht die Analyse von gesellschaftlichen Phänomenen wie Pflege-Roboter, die zunehmenden Emotionen auswerten und nachahmen können, der Bedeutung von Emojis in der zwischenmenschlichen Kommunikation, aber auch die Rolle von Emotionen in Diskursen wie die "Tech-Fear" vor Künstlicher Intelligenz. Die Studierenden werden befähigt, die gesellschaftlichen und kulturellen Implikationen der emotionalen Interaktionen zwischen Mensch und Maschine zu erkennen, kritisch zu reflektieren und mittels theoretischer Perspektiven soziologisch zu deuten.
Wintersemester 2024/25
Kommentar:
In einer Zeit, in der Technik zunehmend unsere Gefühlswelten beeinflusst, stellt sich die Frage: Wie verändern technologische Innovationen unser emotionales Erleben und wie begegnen wir selbst Technologien auf emotionaler Ebene? Das Bachelor-Seminar „Empiriepraktikum: Ethnografien von Emotionen und Technik, Teil 1“ bietet den Studierenden eine fundierte Einführung in die empirische, qualitative Sozialforschung mit einem besonderen Fokus auf die komplexen Beziehungen zwischen Emotionen und Technik. Im ersten Teil des Empiriepraktikums setzen wir uns theoretisch und empirisch mit der Wechselwirkung von Emotionen und technologischen Entwicklungen in der modernen Gesellschaft auseinander. Dabei stehen Fragen im Vordergrund wie: Welche Emotionen werden durch den Einsatz bestimmter Technologien hervorgerufen? Wie beeinflussen technologische Innovationen unsere emotionalen Erlebnisse und sozialen Interaktionen? Und welche Rolle spielen Emotionen dabei, Technik zu benutzen?
Das Seminar beinhaltet verschiedene Themen- und Aufgabenfelder. Einerseits werden wir uns mit theoretischen Inputs und den Herausforderungen ehtnografischer Forschung allgemein und spezifisch mit Blick auf Emotionen widmen. Andererseits werden wir uns der konkreten Entwicklung einer eigenen Fragestellung sowie der eigenständigen Recherche des relevanten Forschungsstandes zuwenden. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf die kritische Auseinandersetzung mit theoretischen und empirischen Texten aus der Techniksoziologie und der Emotionsforschung gelegt. Dies dient der Vorbereitung auf die ethnografische Datenerhebung und Analyse, die im zweiten Teil des Empiriepraktikums im Sommersemester erfolgt.
Kommentar:
In den letzten Jahrzehnten haben sich Affekte und Emotionen als zentrale Konzepte der soziologischen Forschung etabliert. Dieses Seminar widmet sich den theoretischen Ansätzen in der Emotionssoziologie sowie den interdisziplinären Affect Studies. Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen Emotionen, sozialen Strukturen und Machtverhältnissen zu untersuchen und zu verstehen, wie Affekte und Emotionen soziale Praktiken und gesellschaftliche Ordnungen formen, Machtdynamik (re-) produzieren und zugleich von diesen geformt werden.
Das Seminar bietet eine Einführung in klassische und zeitgenössische Theorien der Emotionssoziologie und aktuellen Debatten in den Affect Studies. Dabei werden sowohl theoretische als auch methodische Zugänge behandelt, die es ermöglichen, die Rolle von Emotionen und Affekten in verschiedenen sozialen Kontexten – von der Politik über die Wirtschaft bis hin zur Techniknutzung – zu analysieren.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Frage, wie Machtstrukturen durch emotionale Prozesse reproduziert oder herausgefordert werden und wie Emotionen als eine Form der sozialen Kontrolle oder des Widerstands fungieren können. Durch die Analyse empirischer Fallstudien und die Diskussion theoretischer Texte werden die Teilnehmenden dazu angeregt, eigene Forschungsfragen im Feld der Emotionssoziologie und den Affect Studies zu entwickeln.
Ziele des Seminars:
- Einführung in die theoretischen Ansätze der Emotionssoziologie und den Affect Studies
- Verständnis des Zusammenhangs zwischen Emotionen, Affekten und sozialen Machtstrukturen
- Kritische Auseinandersetzung mit der Rolle von Emotionen in der sozialen Praxis
- Entwicklung eigener Forschungsfragen und -projekte in den Bereichen Emotionssoziologie und Affect Studies
Literatur:
Eine detaillierte Literaturliste wird zu Beginn des Semesters zur Verfügung gestellt. Grundlegende Texte umfassen u.a. Werke von Arlie Hochschild, Sara Ahmed und Margaret Whetherell.
Sommersemester 2024
Kommentar:
Ob KI am Arbeitsplatz, Digitalisierung von Bildungseinrichtungen oder E-Governance – bei all diesen Phänomenen sind technische und gesellschaftliche Fragen eng miteinander verknüpft. Das Seminar nimmt diesen Zusammenhang genauer unter die Lupe und führt in eine Reihe von Konzepten ein, die es ermöglichen, Technologien als gesellschaftliche Konstruktionen zu verstehen. Wir werfen einen soziologischen Blick auf den Prozess, durch den Technologien von Gesellschaft produziert werden, aber auch darauf, wie technische Objekte wiederum die Welt umgestalten. Studierende erlangen somit theoretisches Wissen um Fragen der sozialen Gestaltbarkeit von Technik auf der einen Seite und der Steuerungsmacht von Technik und dessen Materialität auf der anderen. Um dies zu erzielen, bietet das Seminar eine Einführung in die wichtigsten Debatten und Theorien der Science and Technology Studies (STS) sowie der Techniksoziologie an.
Ziel dieses Seminars ist eine detaillierte Untersuchung des soziologischen Beitrags zur Analyse von Technologie und ihrer Gestaltbarkeit, Steuerungsmacht und Nutzung. Am Ende des Seminars sollten wir
- ein Verständnis darüber haben, wie Technologie als sozialer Prozess funktioniert und wie soziale Wertvorstellungen in Technologie manifestiert und untersuchbar sind
- den analytischen Fokus auf die Rolle von Materialität im Zusammenhang mit Disziplinierungs- und Steuerungsprozessen sozialer Interaktionen richten können
- einen detaillierten Einblick in die wichtigsten Theorien und Denkfiguren der STS sowie der Techniksoziologie gewonnen haben
- Kenntnisse über die Stärken und Schwächen verschiedener Ansätze zur Analyse von Technik und Gesellschaft erlangt haben
Kommentar:
Bei dieser gemischten Veranstaltung handelt es sich um eine dauerhafte Einrichtung der Professur für Soziologische Theorie. Die Werkstatt steht insbesondere Studierenden der Abschlusssemester (BA und MA) sowie Doktorandinnen und Doktoranden offen, die sich eine Besprechung des theoretischen Rahmens, des Forschungsdesigns oder die gemeinsame Arbeit an empirischem Material ihrer Abschlussarbeiten, Dissertationen oder Projekte wünschen. Masterstudierenden, die ihre Masterarbeit im Fachgebiet Soziologische Theorie schreiben, kann diese Veranstaltung als Masterkolloquium anerkannt werden.
Interesse an einem Werkstatttermin bitte vorab bis spätestens 12.04.2024 per Email an die Dozentin (klara-aylin.wenten@uni-kassel.de) bekunden. Besonders willkommen sind Studien, die theoretische und empirische Forschung auf innovative Weise miteinander zu verknüpfen versuchen. Auch ein bis zwei Gastvorträge sind pro Semester vorgesehen.
50% der Sitzungen werden als gemeinsamer Lektürekreis gestaltet, der einem halben Seminar entspricht (s. Bemerkung). Darin werden solche (überwiegend neueren) Werke besprochen, von denen sich die Soziologie Impulse für die Weiterentwicklung der Gesellschaftstheorie erhoffen darf. Teilnahmevoraussetzung ist die hohe Motivation, schwierige, oftmals „dicke" Bücher vollständig zu lesen und gemeinsam zu diskutieren.
In diesem Semester werden wir Fourcade, Marion; Healy, Kieran (2024) The Ordinal Society. Harvard: Harvard University Press (https://www.hup.harvard.edu/books/9780674296688) lesen. Weitere Infos hierzu folgen.