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Wie erkunden Städtereisende ihr Urlaubsziel?
Image: University of Kassel.Wer in diesen Wochen einen Ausflug in den Bergpark Wilhelmshöhe oder die Karlsaue in Kassel unternimmt, könnte von Interviewern der Universität Kassel für eine Befragung angesprochen werden. Hintergrund ist eine groß angelegte Erhebung, bei der mithilfe eines Interviews und einer eigens dafür entwickelten Smartphone-App Erkenntnisse zur Mobilität von Gästen am Urlaubsort gewonnen werden sollen.
Seit Mai und noch bis Ende August wird die Befragung an verschiedenen touristisch bedeutsamen Zielen in der Stadt durchgeführt. Erstmals soll dabei das Mobilitätsverhalten von Städtereisenden mithilfe einer Tracking-App erfasst werden. Die Anwendung protokolliert automatisch die Aktivitäten und Wege der teilnehmenden Gäste, erkennt genutzte Verkehrsmittel und klassifiziert Aktivitätenarten. So lassen sich Bewegungs- und Aktivitätsmuster von Besucherinnen und Besuchern künftig deutlich präziser nachvollziehen.
Die Erhebung soll erstmals einen umfangreichen und belastbaren Datensatz zur Mobilität von Städtereisenden liefern, denn bislang fehlen solche grundlegenden Daten weitgehend. Das ist aus verkehrsplanerischer Sicht problematisch: Laut Reiseanalyse 2025 erreichte die Zahl der Tages- und Kurzurlaubsreisen in Deutschland im Jahr 2024 einen neuen Höchststand. Nicht nur in klassischen Tourismusdestinationen machen Urlaubs- und Tagesgäste einen wesentlichen Anteil der Verkehrsnachfrage aus, auch Städte wie Kassel spüren den durch den Tourismus verursachten Verkehr deutlich. Dieser trägt merklich zum Ausstoß von CO2 sowie anderen Schadstoffen bei. Ohne eine ausreichende Datenbasis lässt sich der touristische Verkehr in der Praxis der Verkehrsplanung jedoch nicht zufriedenstellend abbilden, weshalb die Wirkungen von Maßnahmen auf das Verhalten von Städtereisenden nicht präzise vorhergesagt werden können.
Im Rahmen eines Vorgängerprojektes entwickelte Modelle sollen mit Hilfe der erhobenen Daten weiterentwickelt werden, um das touristische Mobilitätsverhalten noch präziser abzubilden. „Ziel ist es, die Wirkungen von verkehrlichen Maßnahmen bewerten zu können, bevor sie umgesetzt werden. Dies betrifft vor allem Planungen zur Lenkung von Reisenden, die bislang durch den Mangel an Wissen über das touristische Mobilitätsverhalten nur eingeschränkt möglich waren“, betont Prof. Dr.-Ing. Carsten Sommer die Relevanz der Forschung. Das dreijährige Forschungsprojekt läuft bis August 2028 und wird durch die DFG mit einer Summe von 490.000 Euro gefördert.
Kontakt:
Luka Jurišić M. Eng.
Universität Kassel
Fachgebiet Verkehrsplanung und Verkehrssysteme
Tel.: +49(0)561/804-3631
E-Mail: luka.jurisic[at]uni-kassel[dot]de