Arbeitsmarktrecherche

Die Arbeitsmarktrecherche dient dazu, Berufsfelder, Bedarfslage und nachgefragte Kompetenzen zu identifizieren.

Bei der Modernisierung und der Neuentwicklung von Studiengängen ist es hilfreich eine initiale, stichprobenartige Recherche zu möglichen Berufsfeldern von Absolvent:innen zu machen und die Bedarfslage auf dem Arbeitsmarkt zu eruieren sowie nach einschlägigen Studien zu recherchieren.
 

Diese erste Analyse berücksichtigt zwei Pfade:

1) eine exemplarische Suche zu passenden Profilen in einschlägigen Stellenportalen;

2) eine erste Sichtung ähnlicher Studiengangskonzepte und der dort angegebenen Kompetenzen.
 

Pfad 2) ist eine detaillierte Standortbestimmung mit Vergleichen der Studienangebote anderer Hochschulen in diesem Themenbereich und wird in dem Punkt Umfeldanalyse erläutert.

Für die Arbeitsmarktanalyse sind zwei Fragen zentral:

  • In welchen Berufsfeldern können potentielle Absolvent:innen des geplanten Studiengangs eine Beschäftigung finden?
  • Welche Kompetenzen erwarten Arbeitgeber:innen von Bewerber:innen für ausgeschriebene Stellen mit Bezug zu den Studieninhalten und Studienschwerpunkten?
  • Seitens des Fachbereichs werden für eine erste Recherche zu möglichen Berufsfeldern zukünftiger Absolvent:innen des geplanten Studienprogramms in Form einer Stellenanzeigen-Analyse das Studiengangkonzept und das Kompetenzprofil mit aktuellem Stand herangezogen.
  • Datengrundlage der Stellenanzeigen-Analyse bildet zum einen die wöchentlich erscheinende Zeitschrift „WILA Arbeitsmarkt“, die vom gemeinnützige Verein „Wissenschaftsladen Bonn e.V.“ herausgegeben wird. Kernstück dieser Hefte ist eine aufbereitete Sammlung von Stellenangeboten, die jede Woche ca. 500 neue aktuelle und qualifizierte Jobangebote speziell für Akademiker:innen in Deutschland, Österreich und der Schweiz bietet. Diese Stellenangebote sind acht Berufsfeldern zugeordnet: 1) Kommunikation, 2) Bildung, 3) Kunst und Kultur, 4) Umwelt- und Naturschutz, 5) Soziales und Psychologie, 6) Wissenschaft und Forschung, 7) Querschnittsstellen, 8) Über den Tellerrand. In die Stichprobe für die Analyse gehen ausgewählte Stellenanzeigen der Ausgabe. Hier ist es notwendig, einen Zeitraum für die Recherche festzulegen, der aussagekräftig ist.
  • Zum anderen werden ergänzend oder alternativ stichprobenartig ermittelte Stellenangebote auf Bundesebene aus Online-Jobbörsen für die Analyse herangezogen. Für die Stellenrecherche werden erstens Meta-Suchmaschinen (z. B. METAJob, Indeed, Kimeta, oder Gigajob) verwendet, die gezielt aus anderen Suchmaschinen gesammelte Angebote zentral bereitstellen. Zweitens ist es für Studienprogramme mit bspw. dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit sinnvoll, auf sogenannte ,Green Jobsʻ spezialisierte Jobportale (z. B. NachhaltigeJobs, GoodJobs und Greenjobs) zu konsultieren. Durch diese Analyse werden Stellenangebote abgebildet, die ca. bis zu zwei Monate zurückliegen.
  • Auch die Suche nach einschlägigen Studien zur zukünftigen Arbeitswelt ist sinnvoll, um Bedarfe auf dem zukünftigen Arbeitstakt zu eruieren, bspw. vom Fakultäten- und Fachbereichstag der jeweiligen Disziplin oder z. B. die Prognose zum Arbeitsmarkt von Geisteswissenschaftler:innen „Geisteswissenschaftler auf dem Arbeitsmarkt: Berufe, Branchen, Karrierepositionen“ (Konegen-Grenier, Christiane (2019), IW-Report, No. 32/2019, Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Köln).
  • Zu beachten ist: Diese exemplarische Suche zu passenden Profilen versteht sich nicht als Prognose für zukünftige Entwicklungen des Arbeitsmarktes, sondern gibt einen ersten Überblick über den Ist-Stand an nachgefragten Profilen.
     

Bei der Stellenrecherche im WILA-Arbeitsmarkt wird systematisch nach Stichworten zu passenden Profilen gesucht, die in den jetzigen Dokumenten des Studienprogramms vorkommen. Daran zeigt sich, ob Studierende in dem Studiengang Kompetenzen erwerben, die für den Arbeitsmarkt relevant sind und nachgefragt werden.
Es ist darüber hinaus sinnvoll für die Prognose der zukünftigen Arbeitsmarktsituation in 2030 nach einschlägiger Literatur zu suchen. Dadurch können die zukünftig nachgefragten Kompetenzen von Absolvent:innen aufgezeigt werden. Die Orientierung an solchen Prognosen erlaubt es, das Studiengangkonzept im Hinblick auf die zukünftige Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt zu modernisieren und weiterhin ein attraktives Studienprogramm anzubieten. 

Ergebnisaufbereitung

Mit Hilfe der Arbeitsmarktanalyse können Auffälligkeiten und gar Lücken mit Blick auf das Kompetenzprofil sichtbar gemacht werden. Die Diskrepanz bspw. zwischen Kompetenzprofil und lückenhafter Praxisanteile kann dann in einem nachfolgenden Schritt in der Studiengangentwicklung z. B. mit einem Modul oder einem Praktikum adressiert werden, so dass hier eine Nachjustierung bei der Entwicklung erfolgen kann. Auch lässt die Arbeitsmarktrecherche noch offene Punkte im Curriculum erkennbar werden, so dass diese für die weitere Diskussion aufbereitet werden können.
 

Die Ergebnisse der Arbeitsmarktrecherche fließen in Frage 20 des Studiengangkonzeptes ein.

Beispiele

Bei einer Arbeitsmarktrecherche für einen interdisziplinären Masterstudiengang im Themenfeld nachhaltige technologische Transformationen wurden folgende Aspekte ermittelt:

Frage:

  • Finden sich Stellenangebote, die zu dem Kompetenzprofil des geplanten Studienangebotes passen?
  • Welche Besonderheiten bei Voraussetzungen und Anforderungen an die Bewerberinnen und Bewerber haben diese Stellenangebote?
     

Datenbasis und Grundlage der Recherche: Kompetenzprofil des Studiengangs

Ausgangpunkt ist das geplante Kompetenzprofil des Studiengangs, welches hier auszugsweise und exemplarisch nochmal aufgeführt ist:

Absolventen des Studiengangs verfügen über fundiertes Wissen in technologischer Transformation, nachhaltiger Entwicklung und der Integration und Begleitung innovativer Technologien in unterschiedliche Unternehmensbereiche. Die vermittelten Kompetenzen umfassen:

  • Systemisches Denken im Bereich nachhaltiger Technologieentwicklung
  • Analyse und Bewertung nachhaltiger Transformationsprozesse
  • Entwurf und Umsetzung von Transformationsstrategien
  • Kennnisse in Change Management und Begleitung der Transformationsprozesse
  • Interdisziplinäre Projektarbeit sowie wissenschaftliche Herangehensweise

 

Datenbasis und Grundlage der Recherche: Typische Jobplattformen und Marktanteile 2025

Für die Recherche nach passenden Stellen bieten sich verschiedene Jobbörsen an. Hierbei sind deren Relevanz und Reichweite im Blick zu behalten. Die wichtigsten Portale in Deutschland im Jahr 2025, sortiert nach monatlichen Besucherzahlen, sind:

  • Bundesagentur für Arbeit (9,2 Mio. Besucher) – alle Branchen und Einstiegsebenen
  • Indeed (7,5 Mio. Besucher) – breite Zielgruppen, Blue/White Collar
  • StepStone (5,5 Mio. Besucher) – Fach- & Führungskräfte, Professionals
  • LinkedIn Jobs (3 Mio. Besucher) – Akademiker, Führungskräfte, international
  • XING Jobs (950.000 Besucher) – DACH-Raum, Fach- & Führungskräfte
  • meinestadt.de (450.000 Besucher) – regionale Jobs, Azubis, Berufseinsteiger
  • Monster (200.000 Besucher) – Generalisten, international
  • stellenanzeigen.de (150.000 Besucher) – Fachkräfte, regional
  • Kimeta (150.000 Besucher) – verschiedene Branchen
  • Jobware (70.000 Besucher) – Fach- & Führungskräfte, Professionals

Quelle: https://glow-careers.de/blog/die-besten-jobboersen-deutschland/

 

Vorgehen: Schlagworte für die Recherche

Um relevante Stellen zu identifizieren, sollten Suchbegriffe abgestimmt werden. Außerdem sollte ein regionaler oder deutschlandweiter Suchbereich festgelegt werden.
Hier wurde im Beispiel nach Vollzeitstellen mit fester Anstellung für „Nachhaltigkeit“ und „Sustainability“ 100km um Kassel sowie in Deutschland gesucht.

Als weitergehende Suchbegriffe bei wenigen Suchtreffern waren geplant:

  • Nachhaltigkeit / Sustainable in Kombination mit „Transformation“
  • Technologietransformation
  • Transformationsmanager
  • Nachhaltigkeitsmanager
  • Change Management
  • Corporate Sustainability
  • Digitalisierung und Nachhaltigkeit

 

Ergebnisse: Recherche-Ergebnisse und beispielhafte Jobtitel

Bei einer Suche auf Stepstone wurden im regionalen Umfeld etwa 6 Stellen identifiziert, die für Absolventen geeignet erscheinen. Deutschlandweit lag die Zahl bei weit über 50 passenden Stellen, die sehr gut zu dem geplanten Studiengang passten.

Dabei hat sich gezeigt, dass Nachhaltigkeit (5900 Suchtreffer) in sehr vielen nicht passenden Stellenanzeigen vorkommt und eher als allgemeines Buzzword verwendet wurde, während Sustainability (1419 Suchtreffer) eher ermöglichte, die passenden Stellenangebote zu identifizieren.

Die gefundene Anzahl Suchtreffer in der Übersicht:

RegionNachhaltigkeitSustainability
Kassel Umkreis 100 km256 Vollzeitstellen mit fester Anstellung54 Vollzeitstellen mit fester Anstellung
 6 passende Stellen5 passende Stellen
Deutschlandweit5900 Vollzeitstellen mit fester Anstellung1419 Vollzeitstellen mit fester Anstellung
  weit über 50 passende Stellen

 

Beispielhafter Auszug der Jobtitel, die während der Recherche inklusive der Aufgaben und Tätigkeitsfeldern sowie den Anforderungen und Voraussetzungen für das Stellenangebot gesammelt und dokumentiert wurden:

  • Director Group Sustainability
  • Sustainability Coordinator
  • Referent:in Nachhaltigkeitsmanagement
  • Referent:in Sustainable Products Regulation
  • Consultant Audit CSRD
  • Klimamanager


Ergebnisse: Offene Punkte und Diskrepanzen zwischen Kompetenzprofil und Anforderungsprofil der Stellenanzeigen

Die Knackpunkte in der exemplarischen Suche nach Stellenanzeigen waren:

  • Mehrjährige Berufserfahrung im Tätigkeitsfeld wurde häufiger genannt.
  • (Mehrjährige) Führungserfahrung wurde häufiger vorausgesetzt bei Stellenanzeigen, die teilweise mit dem Aufbau oder Leitung einer Gruppe verbunden waren.
  • Erfahrung in der Moderation von Workshops sowie deren Planung und Organisation war teilweise Bestandteil des Anforderungsprofils.
  • Gerade für die Arbeit in einem Unternehmensnetzwerk an mehreren Standorten wurden Sprachkenntnisse in Deutsch und Englisch (verhandlungssicher) erwartet.
  • Eine Promotion mit Bezug zur ausgeschriebenen Tätigkeit war für Referent:innen vereinzelt gefordert.
  • Kenntnisse in BWL oder/ und Recht waren weitere Nennungen.

Diese Faktoren sollten bei der Weiterentwicklung des Curriculums sowie bei der individuellen Profilbildung und Karriereplanung von Absolventen besonders beachtet werden.