Erstellen eines Kompetenzprofils

Erstellen eines Kompetenzprofils

Mit der Bologna Reform ist die Kompetenzorientierung zu einer zentralen Anforderung bei der Entwicklung von Studiengängen geworden.

An dieser Stelle haben wir für Sie daher Wissen und Tipps für die Erstellung eines Studiengang-bezogenen Kompetenzprofils komprimiert zusammengestellt.

Ein Kompetenzprofil stellt dar, welche fachlichen und überfachlichen Kompetenzen Studierende mit dem Abschluss eines konkreten Studiengangs erworben haben.

Ein Kompetenzprofil wird also Studiengang-bezogen erstellt und „vom Ende her“ gedacht (Output-Orientierung). Es beantwortet die Frage, welche Kompetenzen die Studierenden am Ende ihres Studiums erworben haben.

Ein Kompetenzprofil ist der Ausgangspunkt für die kompetenzorientierte Studiengangentwicklung. In weiteren Schritten der Curriculum-, Modul- und Veranstaltungsplanung werden die zu erreichenden Kompetenzen dann konkretisiert und als Lernziele formuliert. Je nach Gestaltungsebene werden Richt-, Grob- und Feinziele unterschieden. Im Sinne des Constructive Alignment werden geeignete Prüfungsformen sowie Lehr- und Lernmethoden zur Erreichung der Lernziele festgelegt.

Zur Erstellung und Formulierung von Lernergebnissen auf Modulebene nutzen Sie bitte die Handreichung für das Modultool.

„Am Anfang einer kompetenzorientierten Studiengangsentwicklung sollte die Frage stehen, was eine Absolventin/ein Absolvent am Ende des Studiums können soll bzw. in der Lage ist zu leisten. Es geht somit um die fachlichen und fachübergreifenden Kompetenzen, die eine Studierende/ein Studierender im Verlauf des Studiums erwerben sollte, um im Anschluss an das Studium bestimmte Aufgaben und Anforderungen zu bewältigen, wozu insbesondere die Vorbereitung der Absolventinnen und Absolventen auf mögliche berufliche Tätigkeitsfelder gehört.“ (Schaper 2012: 39)

Rahmenbedingungen, Bedarf und inhaltliche Ausrichtung des zu entwickelnden Studiengangs sollten weitgehend geklärt sein, wenn die Arbeitsgruppe mit der Erstellung des Kompetenzprofils beginnt. Folgende Vorgehensweisen bieten sich an und werden im Idealfall miteinander kombiniert:

 

normative und deduktive Vorgehensweisen: 
Normative Vorgehensweisen beziehen sich auf normativ gesetzte Lern- und Bildungsziele im Sinne von Rahmenvorgaben o.Ä. sowie auf normative Vorstellungen von Expert:innen über die zu erwerbenden Kompetenzen im Studiengang.

Deduktive Vorgehensweisen beziehen sich auf vorhandene Dokumente im Sinne von (lern- und kognitions-)theoretisch begründeten Kompetenzmodellen.

Beispiele:

  • Rahmenvorgaben wie zum Beispiel Fachqualifikationsrahmen, der deutsche Qualifikationsrahmen für Hochschulabschlüsse, Beschlüsse des Akkreditierungsrates oder hochschulinterne Dokumente werden recherchiert und relevante Inhalte für den Studiengang extrahiert und strukturiert zusammengefasst.
  • Analyse hochschulinterner und -externer Curricula (Umfeldanalyse): Prüfungsordnungen, Modulhandbücher etc. werden auf Struktur, Inhalte, Kompetenzen und Lernziele hin untersucht und verglichen. Es können einerseits mehrere (fachlich-inhaltlich) ähnliche Studiengänge untersucht und verglichen werden, um einen aktuellen Stand zu erhalten. Andererseits bietet es sich an, den Fokus auf ein oder wenige besonders innovative Studiengänge zu richten (z.B. in Bezug auf transdisziplinäre Studiengangkonzepte).
  • Expert:innen-Workshop: In einem Workshopformat können wünschenswerte Kompetenzziele formuliert werden. Der Begriff Expert:innen meint in diesem Fall sowohl Fach-Expert:innen, als auch Studierende, Personen mit Expertise in der Studiengangentwicklung etc.
    Über den gemeinsamen Austausch werden normative Vorstellungen über die zu erwerbenden Kompetenzen gesammelt und diskutiert.
    Alternative: Expert:innen können auch über mündliche oder schriftliche Interviews am Prozess beteiligt werden.
  • Auswertung des Forschungsstandes: Insbesondere zu den Grundlagen und Zeilen verschiedener Kompetenzmodelle kann Forschungsliteratur herangezogen werden.

 

empirische und induktive Vorgehensweisen:
Sie beinhalten in der Regel die Analyse von Anforderungen und Bedarfen (auf dem Arbeitsmarkt) oder Lernprozessen.

Beispiele:

  • Anforderungs- und Bedarfsanalysen: Es bieten sich verschiedene Möglichkeiten an, die auf den Arbeitsmärkten nachgefragten Kompetenzen zu erfassen. Mit der Arbeitsmarktrecherche werden Stellenanzeigen strukturiert gesammelt und hinsichtlich der Anforderungen ausgewertet. Die Befragung potenzieller Arbeitgeber sowie auch die Befragung bisheriger Absolvent:innen des Studiengangs (soweit vorhanden) bietet sich insbesondere bei konkreten (Nach-)Fragen an. Zeit- und kostensparend ist es, Ergebnisse bereits durchgeführter Befragungen zu nutzen (z.B. Absolvent:innenstudie).
  • Retrospektive Erfassung von Lernprozessen: Zur retrospektiven Erfassung von Lernprozessen und anschließenden Auswertung zur Modellierung des Kompetenzerwerbs bieten sich Lerntagebücher an. Oft sind diese Ressourcen aber nicht vorhanden oder dürfen nicht ausgewertet werden. Alternativ können narrative Interviews mit Studierenden oder Absolvent:innen geführt werden.

 
Die genannten Beispiele sind mit unterschiedlichem Zeit- und Ressourcenaufwand verbunden. Eine allgemeingültige Empfehlung ist daher nicht möglich. In der Arbeitsgruppe sollte daher gemeinsam auf die vorhandenen Ressourcen geschaut und über ein Vorgehen entschieden werden. Empfehlenswert ist die Kombination verschiedener Vorgehensweisen, um auf einer breiten Basis übergeordnete Qualifikationsziele für die zukünftigen Absolvent:innen festzulegen.

Der Text basiert weitestgehend auf dem Fachgutachten von Niclas Schaper: