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Die vergessene Kasseler Bauhaus-Architektin: Ausstellung zu Katt Both
Image: Katt Both estate.Die Ausstellung wird veranstaltet vom Fachgebiet Entwerfen und Gebäudelehre der Uni Kassel. Auslöser und Grundstock ist der jüngst wiederentdeckte Nachlass der Architektin, Designerin und Fotografin, die 1905 in Waldkappel geboren wurde und 1985 in Kassel starb. Ein Beiprogramm setzt den zeitaktuellen Diskurs zu den Ausstellungsthemen fort.
Die Emanzipation einer jungen talentierten Frau, von der Kunstgewerbeschule Kassel kommend, über die Burg Giebichenstein in Halle zum Bauhaus, ihre fotografischen Experimente und Selbstinszenierungen als Neue Frau, dazu ihre ersten beruflichen Stationen bei Fred Forbat, den Gebrüdern Luckhardt und Alfons Anker in Berlin und im Büro Otto Haesler, eigene Projekte sowie ihr Engagement für soziale, gebrauchsorientierte und neue gemeinschaftliche Wohnformen sind alle dem Glauben an eine neue und demokratische Gesellschaft verpflichtet. Aschrott-Altersheim und Rothenbergsiedlung in Kassel, an denen sie mitwirkte, sind heute Ikonen der Moderne und wurden 1932 in der legendären Ausstellung „Modern Architecture“ im MoMA Museum of Modern Art in New York gezeigt. Der Kasseler Oberbürgermeister Hans Herbert Stadler reiste damals extra zur Eröffnung.
Wem die Bilder der Neuen Frau der 1920er-Jahre noch kein Begriff sind, der kann sich in der Ausstellung aus der großen Zahl von Fotografien einen einmaligen Einblick in die Zeit verschaffen. Sie werden ergänzt und kommentiert durch aktuelle fotografische und filmische Arbeiten von Christina Gradtke und Leonard Volkmer aus der Medienklasse der Kunsthochschule und durch internationale Positionen, wie zum Beispiel durch gerade erst entdeckte frühe Fotoarbeiten der österreichischen Künstlerin Brigitte Kowanz oder den Film MANDA, den Isa Rosenberger in Zusammenarbeit mit Celia Millan 2023 zum Stäbetanz von Oskar Schlemmer erstellt hat.
Die Auseinandersetzung mit dem sozialen Wohnungsbau und den Lösungen in der Rationalisierung, nach 100 Jahren wieder aktuell, wirft einen Blick auf die Parallelitäten der Moderne und der Situation heute. Die Ausstellung thematisiert die Leerstellen und entdeckten Brüche in Katt Boths Biografie. Wie alle Architektinnen und Architekten musste Katt Both sich 1938 in die Reichskulturkammer eintragen lassen, um ihren Beruf in Deutschland ausüben zu können. 1942 wurde Katt Both Mitglied der Nationalsozialistischen Partei und erhielt eine Anstellung beim Deutschen Frauenwerk. Sie wollte von da aus den sozialen Wohnungsbau der Nachkriegszeit mitgestalten, wechselte aber nach fünf Monaten in das Büro des Bauhaus-Architekten Ernst Neufert.
Die Ausstellung wird eröffnet am 10. Februar 2026 um 18 Uhr, es sprechen der Schirmherr Oberbürgermeister Dr. Sven Schoeller und die Präsidentin der Uni Kassel, Prof. Dr. Ute Clement. Abschluss und Finissage ist der 8. März, der Weltfrauentag. Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Eintritt frei.
Hintergrund:
Die diskursive Ausstellung wurde von den Studierenden des Fachgebiets Entwerfen und Gebäudelehre von Prof. Marie-Therese Harnoncourt-Fuchs der Uni Kassel mit der Kunsthistorikerin Dr. Ute Maasberg entwickelt, konzipiert und umgesetzt. Beiträge von Studierenden der Klasse für Intermediale Fotografie im künstlerischen Feld, Prof. Peggy Buth der Kunsthochschule Kassel und dem Fachgebiet Landschaftsästhetik im Entwurf von Prof. Fanny Brandauer der Uni Kassel wie auch internationale Kunstpositionen, ausgewählt von der freien Kuratorin Sabine Kienzer, kontextualisieren das Leben und Werk von Katt Both.
Die Veranstaltung wird gefördert von: Pfeiffer-Stiftung für Architektur, Kasseler Sparkasse, Stadt Kassel, Uni Kassel, GWG Kassel, Amt für Chancengleichheit der Stadt Kassel
Kontakt:
Dr. Ute Maasberg
Universität Kassel
E-Mail: ute[dot]maasberg[at]uni-kassel
Tel: 016093820229