17.04.2020

Chor trotz Corona: Ein Seminar wird virtuell

@Corona-Virus

Andreas Cessak, Leiter des Hochschulchores der Universität Kassel, über sein erstes virtuelles Chorleiter-Seminar.

Bild: N. Klinger.
Andreas Cessak.

In vielen Bereichen der Universität wird gerade mit neuen digitalen Formaten experimentiert, um das kommende Sommersemester vorzubereiten. Dazu zählt auch das Institut für Musik – Andreas Cessak stand hier vor der Herausforderung, ein Chorleitungsseminar ohne realen Chor anzubieten. Wir haben mit ihm gesprochen, wie er dieses Problem gemeistert hat.

Herr Cessak, was ist das Besondere an Ihrem Chorleitungsseminar in diesem Semester?

Das Seminar war von vornherein als Kompaktseminar angelegt, das über fünf Tage läuft und Platz für 15 bis 18 Teilnehmer bietet. Normalerweise arbeite ich in dieser Zeit mit allen Studierenden gemeinsam und im Laufe des Seminars entsteht dann eine ganz eigene Dynamik innerhalb dieses Chores.
Das ist in der aktuellen Situation aber natürlich nicht möglich – deshalb musste ich mir etwas anderes einfallen lassen.

Das virtuelle Chorleiter-Seminar?

Genau. Statt mit allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern gemeinsam zu arbeiten, gab es in den ersten Tagen individuelle Telefon- und Videotermine. Dort sollten die Studierenden dann vor allem lernen, mit sich selbst zu musizieren und dies in den Online-Sitzungen vorzuführen.

Was bedeutet das konkret?

Alle Teilnehmer singen sämtliche Stimmen eines von ihnen selbst gewählten Stückes und erarbeiten sich dadurch die zentralen musikalischen Aspekte, wie Lautstärke, Tempo, Temposchwankungen, Artikulation, Emotion. Als nächstes folgt das zweistimmige Lernen, eine Stimme wird gesungen und eine zweite dazu am Klavier gespielt. Hier geht es darum zu lernen, wo die Mehrstimmigkeit zu unerwarteten Schwierigkeiten führt und wie man konkret in der Situation ein Problem für sich selber löst. Die methodischen Möglichkeiten werden erprobt und reflektiert. Am Ende erarbeiten sich die Studierenden so für jedes Problem eine individuelle Lösung, die in der Probensituation so angewendet werden kann.

Das klingt kompliziert

Das ist auf jeden Fall herausfordernd für die Studierenden. Gleichzeitig haben sie aber so die Möglichkeit, wirklich sinnlich zu erfahren, was für Probleme bei tatsächlichen Chorproben auftreten können, obwohl kein tatsächlicher Chor anwesend ist.

Gibt es auch eine Prüfung?

Ja, am Ende des Seminars werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihr gewähltes Stück in ein Notenprogramm eingeben. Das Stück wird dann in dem gewünschten Tempo abgespielt und dazu dirigiert. Das Dirigat kann dann per Videokonferenz ohne Verzögerung von mir gesehen und korrigiert werden. Ganz am Ende wird man es als VirtalChoir aller Beteiligten sehen und hören können.

Wie war die Resonanz?

Ich habe wirklich sehr positives Feedback von allen Teilnehmenden erhalten – durch die 1:1-Betreuung konnte ich mit allen sehr intensiv arbeiten und auf individuelle Fragestellungen eingehen.

Gab es auch Probleme?

Die Technik hat uns leider immer mal wieder vor Probleme gestellt – die Videokonferenz-Software war zeitweise überlastet, deshalb musste ich einen Probetermin auf den späten Abend verlegen. Aber zum Glück haben sich alle Studierenden sehr flexibel gezeigt, so dass wir alle Probleme gelöst bekommen haben.

Wird der Kurs also ab sofort nur noch virtuell stattfinden?

(lacht) Nein, auch wenn es großen Spaß macht, ist ein Seminar mit allen Teilnehmern vor Ort schon noch etwas anderes. Aber sowohl für mich als auch für die Studierenden ist es eine sehr wertvolle Erfahrung. Sollten die Corona-Maßnahmen noch weiter verlängert werden, haben wir aber tatsächlich noch ein paar Ideen, wie wir sogar das Folgeseminar, also Chorleitung 3, virtuell abhalten könnten.

 

Interview: Markus Zens