09.09.2020 | Campus-Meldung

Öko­lo­gi­scher To­ma­ten­tag 2020: Ge­mein­sam züch­ten

Wie werden Sorten entwickelt, die möglichst gut an die Ansprüche der Konsumentinnen und Konsumenten und die Anbaubedingungen angepasst sind? Welche Methoden werden in der Züchtung angewendet? Was sind die aktuellen Herausforderungen für die ökologische Tomatenzüchtung? Diese und andere Fragen wurden beim diesjährigen ökologischen Tomatentag diskutiert.

Bild: Horneburg.
Sorte Primavera.
Bild: Horneburg.
Dr. Horneburg (l.) führt in den Zuchtgarten ein.

Initiator des Projekts ist Dr. Bernd Horneburg, Fachgebiet Ökologische Pflanzenzüchtung und Agrarbiodiversität. Fachleute aus der gesamten Wertschöpfungskette trafen sich unter Beachtung der Hygienemaßnahmen zum Feldtag in der LohmannsHof-Gärtnerei in Niedersachsen. Die Kontaktbeschränkungen durch die Covid-19 Pandemie haben dazu geführt, dass mehr Menschen Garten und Balkon neu entdecken – das gibt der Züchtung noch mehr Gewicht.

Das ökologische Freiland-Tomatenprojekt „ist ein positives Modell, mitten in der Gesellschaft und völlig transparent zu züchten“ sagt Horneburg. Neue Mitglieder, die aktuelle Zuchtlinien testen wollen, seien herzlich willkommen. Besonders eingeladen sind auch weitere Jungpflanzenbetriebe, die neue Sorten regional verfügbar machen.

Das ökologische Freiland-Tomatenprojekt ist ein Netzwerk, das bereits seit 2003 bundesweit und häufig auch international an der Verbesserung von Züchtungsmethoden und der Entwicklung neuer Sorten arbeitet. Das Projekt ist gerade an das Fachgebiet Ökologische Pflanzenzüchtung und Agrarbiodiversität der Universität Kassel in Witzenhausen umgezogen. Horneburg: „Die Stärke der partizipativen Züchtung ist die Zusammenarbeit. Züchtung, Anbau, Handel, Beratung und Konsumentinnen und Konsumenten bestimmen gemeinsam die Ziele und selektieren die besten Zuchtlinien bis zur fertigen Sorte.“ In fast jedem Garten werden Tomaten angebaut, deshalb können sehr viele Menschen von neuen Sorten profitieren. Eine Untersuchung hatte gezeigt, dass etwa die Hälfte der in Deutschland produzierten Tomaten aus dem Amateurbereich von Garten bis Balkon stammen.

Max Rehberg, LohmannsHof-Gärtnerei: „Unterschiedliche Standorte sind wichtig für den Erfolg der Züchtung. Mit der Auslese auf Sandboden hier im Norden können wir die Zuchtgärten auf fruchtbaren Lehmböden bei Göttingen, Witzenhausen, am Niederrhein und in Oberbayern ergänzen.“ Zu den wichtigen Eigenschaften gehören neben gutem Geschmack und Aroma auch Feldresistenz gegen die durch den Pilz Phytophthorainfestans hervorgerufene Kraut- und Braunfäule und generelle Robustheit in Zeiten, in denen Wasser und Nährstoffe knapp sind.

Die Sortenzulassung und saatgutrechtliche Verantwortung liegt in den meisten Fällen bei Culinaris – Saatgut für Lebensmittel. Moritz Halekotte von Culinaris betonte, dass „die saatgutrechtliche Verantwortung und die Erhaltungszüchtung für viele Sorten eine Herausforderung sind, die wir gerne annehmen, um gut angepasste Sorten öffentlich verfügbar zu machen“. Inzwischen wurde eine Reihe von partizipativ gezüchteten Sorten zugelassen und sie etablieren sich im Anbau. Die Vielfalt reicht von den besonders saftig-fruchtigen Resi, Primavera und Dorada für den Direktverzehr bis zu Primabella, Resibella und Rondobella, die auch für die Direktvermarktung geeignet sind.

Der freie Austausch von Sorten und Zuchtlinien muss sehr sorgfältig geschehen, wenn der Befall mit Samen-übertragbaren Krankheiten droht. Dr. Heiko Ziebell vom Julius Kühn-Institut stellte als Experte die aktuellen Risiken durch das 2018 in Deutschland neu aufgetretene Jordan-Virus (tomato brown rugose fruit virus) dar und die Möglichkeiten der Prophylaxe.

Information: Das Ökologische Freiland-Tomatenprojekt www.uni-kassel.de/go/fb11-opb
Weitere Fotos: https://hessenbox.uni-kassel.de/public?folderID=MktmZkY3blhYVHFURHk2eXZSUHlD

Kontakt:

Dr. Bernd Horneburg
Fachgebiet Ökologische Pflanzenzüchtung und Agrarbiodiversität
E-Mail-Adresse: bernd.horneburg[at]uni-kassel[dot]de