26.06.2023 | Porträts und Geschichten

Erasmus am Polarkreis – Ein Reisebericht

Auch Beschäftigten steht das Austausch-Programm offen. Vanessa Laspe verbrachte mit Erasmus+ zwei Wochen in Rovaniemi, Finnland.

Bild: Luisa Schaffner

Morgens um halb 8 am Bahnhof Rovaniemi, Finnland, rollte der Nachtzug aus Helsinki mit dem Santa-Claus-Logo ein. Der Blick aus dem Fenster zeigte: weiße Flocken in der Morgendämmerung! Meine Hoffnung war schon wahr geworden. Durch eine dünne Schneeschicht machte ich mich auf in Richtung Stadtzentrum. Auf dem Fluss Kemijoki sah ich ein paar dünne Eisschollen treiben. Mein Aufenthalt in einer der nördlichsten Städte Europas liegt inzwischen mehr als ein halbes Jahr zurück. Mit Unterstützung von Erasmus+ verbrachte ich in Lappland zwei erlebnisreiche Wochen mit Temperaturen um den Gefrierpunkt – und mit vielen Anstößen, die ich für meine Arbeit in Kassel mit nach Hause nehmen konnte. Denn das ist der Sinn von Erasmus+: Nicht nur Studierende und Auszubildende können in Nachbarländern ihren Horizont erweitern, auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter europäischer Hochschulen oder Einrichtungen der Erwachsenenbildung können voneinander lernen. Als Wissenschaftskommunikatorin in der Pressestelle der Uni Kassel wollte ich wissen, wie die Kolleginnen und Kollegen im Arctic Center arbeiten, einem Forschungszentrum der Universität Lappland. Als erstes lernte ich ihre Geselligkeit kennen. Jeden Morgen um 9 kommt man im Gemeinschaftsraum mit Kaffeeküche zusammen. Und um 14 Uhr auch. Da wunderte es mich nicht, dass Finnland als das Land mit dem höchsten Kaffeekonsum pro Kopf gilt.


Aber ich war ja nicht zum Kaffeetrinken hier. Anne Raja-Hanhela, Wissenschaftskommunikatorin wie ich, kümmerte sich intensiv um mich und sorgte dafür, dass ich eine Vielzahl von Menschen kennenlernte, die alle auf ihre Art und Weise über die Arktis kommunizieren: die Forschenden selbst, das Ausstellungsteam des angeschlossenen Wissenschafts-Museums und das Kommunikationsteam der Universität Lappland. In diesen Gesprächen nahm ich so viel Hintergrundwissen über die Arktis und die aktuelle Forschung auf: über Rentiere, indigene Völker, Landnutzung, Polarlichter, Schnee, Regen, Eis, Glaziologie, Politik und Gesetze in der Region, über die Geschichte Lapplands und vieles mehr. Besonders gerne lauschte ich den Geschichten aus der Feldforschung. Zum Beispiel wie Anthropologen mit indigenen Völkern leben oder wie Gletscherforscher mit Motorschlitten und jeder Menge schweren Messgeräten im Gepäck über gerade erst zugefrorene Fjorde jagen.


Viel Zeit verbrachte ich mit dem Team Wissenschaftskommunikation. Anne, Helen, Marjo, Markku und ich stellten fest, dass wir viele Gemeinsamkeiten haben, z. B. die Freude an der Kommunikation über Forschung, aber auch gemeinsame Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen: Wie können wir Inhalte vermitteln, die zwar visuell schwach, aber besonders relevant sind? Wie können wir Forschende ermutigen, aus ihrer eigenen Perspektive über ihre Forschung zu kommunizieren – zusätzlich zu ihrem ohnehin vollen Pensum und ohne ihre Privatsphäre aufzugeben?


An meinem letzten Tag gab es finnischen „Salmiakki“ am Kaffeetisch: Die Finnen lieben Lakritz, als Weingummis oder Bonbons mit Schokolade, mit Salz oder pures Lakritz in verschiedenen Geschmacksstärken. An die besonders starke Variante Bonbons mit flüssigem Kern traute ich mich zugegebenermaßen nicht heran. Das werde ich bei meinem nächsten Besuch testen müssen.



Dieser Beitrag erschien im Universitäts-Magazin publik 2023/2. Text: Vanessa Laspe

Informationen zu Erasmus+


Erasmus+ ermöglicht auch allen Mitarbeitenden der Universität Kassel – vom Hausmeister bis zur Präsidentin – Fort- und Weiterbildungen im Ausland, genauer in den EU Staaten, Island, Liechtenstein, Mazedonien, der Türkei und in ausgewählten Partnerländern weltweit. Neben „Job Shadowing“ gibt es Sprachkurse und organisierte sogenannte Staff-Training-Weeks. Die durchschnittliche Förderhöhe liegt bei 1235 Euro.

Sie arbeiten an der Uni Kassel und waren ebenfalls mit Erasmus+ in Europa? Schicken Sie uns Ihre Bilder an presse[at]uni-kassel[dot]de (nur eigene Bilder, und jede/r Abgebildete muss einverstanden sein).

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