04.10.2023 | Porträts und Geschichten

Von kurzen Wegen: Ladenlokal wird UNI:Lokal

Das Nachhaltigkeitslabor in Kassels Innenstadt widmet sich den großen Transformationsfragen. In Kürze eröffnet die Universität mitten in Kassels Innenstadt ein umgebautes Ladenlokal. Wo in der Wilhelmsstraße 21 bis vor kurzem noch hochwertige Mode verkauft wurde, entsteht im UNI:Lokal ein offener Veranstaltungs- und Ausstellungsraum als Verbindung zur Stadtgesellschaft.

Bild: Leonie Hagen | Uni Kassel
Das UNI:Lokal befindet sich neben der Tourismus Info.

Mit den SDG+ Lab zieht in das UNI:Lokal für fünf Jahre ein regionales Nachhaltigkeitslabor ein. Es wird sich vom 15. bis 18. November 2023 mit einem mehrtägigen Eröffnungsfestival der Öffentlichkeit präsentieren. Aber auch die Universität zeigt ab 2024 hier ihr Studienangebot, präsentiert aktuelle Forschungsthemen und bietet ein abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm an. „Die Besucherinnen und Besucher können so die vielfältigen akademischen Möglichkeiten leicht zugänglich kennenlernen und sich von der Qualität von Forschung und Studium überzeugen. Mit dem UNI:Lokal gibt es zukünftig den ganz kurzen Weg zu Veranstaltungen und Angeboten der Universität Kassel – Wissenschaft zieht in die Mitte der Stadt.“, so Präsidentin Ute Clement über das Vorhaben.

Wer den offenen Ort des SDG+ Lab im neuen UNI:Lokal in der Wilhelmsstraße 21 kennenlernen möchte, kann dies beim Eröffnungsfestival vom 15.–18. November 2023 tun.

Der Umbau braucht konkretes Handeln

Das SDG+ Lab als Hauptakteur und „Ankermieter“ des UNI:Lokals hat sich – entlang der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen – zum Ziel gesetzt, die nachhaltige Entwicklung der Region aktiv mit zu gestalten. Es bietet die Plattform für einen gemeinschaftlichen Prozess mit vielen regionalen Akteuren und engagierten Bürgerinnen und Bürgern, die ins konkrete Handeln kommen wollen, um den nachhaltigen Umbau der Gesellschaft, der Wirtschaft und des Alltags voranzutreiben. „Wir wollen einen lebendigen Ort zwischen Wissenschaft und Gesellschaft schaffen, an dem wir konkrete Nachhaltigkeitsfragen und Herausforderungen für die Region angehen können – und zwar mit regionalen Partnern aus Wirtschaft, Kultur, Zivilgesellschaft und öffentlicher Verwaltung. Gemeinsam wollen wir Lösungsvorschläge und Innovationen für eine sozial-ökologische Transformation in Nordhessen erarbeiten und in die Tat umsetzen“, erläutert Daniel Opper, Leiter von UniKasselTransfer, der das Projekt im Rahmen der BMBF-Initiative „Innovative Hochschule“ für die Universität Kassel erfolgreich eingeworben hat. Vier Themenjahre sind geplant, in denen das SDG+ Lab im UNI:Lokal das öffentliche „Fenster“ zu den unterschiedlichsten Aktivitäten und Experimente sein wird – eine Art gläsernes Labor für gesellschaftliche Veränderungen. Los geht es im ersten Themenjahr 2023 / 2024 mit den Transformationen im Bereich Energie und Umwelt. So sollen ab Oktober in mehreren Kasseler Stadtteilen für je zwei Monate „Pop-up-Stadtteilläden“ als Experimentierräume eingerichtet werden. Rund um die Themen Energie, Mobilität, Gebäude und Konsum sollen klimafreundliche Alternativen erarbeitet werden. Die wissenschaftliche Leitung dieses Themenjahres hat Prof. Dr. Heike Wetzel vom Fachgebiet Mikroökonomik und empirische Energieökonomik mit ihrem Team übernommen.

 

Die Themen des SDG+ Labs bewegen sich nahe an unserem Alltag, denn Waldbrände, Dürren, Überflutungen, endliche klimaschädliche fossile Energieträger und soziale Differenzen aufgrund von globalen Transformationsprozessen sind auch in Nordhessen alltägliche Herausforderungen. „Auch vor unserer Haustür gibt es kahle Flächen im Habichtswald; im vergangenen Sommer war der Edersee fast ausgetrocknet. Die Umstellung für die Energiewende betrifft jeden einzelnen: Kann ich mir im Winter noch eine warme Wohnung leisten? Wie kann ich auf meinem Balkon Solarenergie erzeugen? Mit solchen Fragestellungen wollen wir die 17 Nachhaltigkeitsziele gemeinsam auf Nordhessen runterbrechen“, sagt Opper, der vom SDG+ Lab als einem „Think & Do Tank“ spricht, der wissenschaftliche Expertise mit konkretem Handeln verbinden soll. Denn es gehe nicht nur darum, Erkenntnisse zu gewinnen, sondern auch ins Handeln zu kommen. Eine innovative Hochschule – so lautet ja der Name des Förderprogramms, aus dem die Mittel bereitgestellt werden – ist eine Hochschule, die selbst zur Akteurin von gesellschaftlichen Transformationsprozessen wird. Es ist der Anspruch der Universität Kassel nicht nur zu beobachten und zu analysieren, sondern insbesondere in ihrem Transfer mitzugestalten. Dafür steht die uniübergreifende Einrichtung UniKasselTransfer. „Die enge Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern und Disziplinen erfordert auch ganz neue methodische Formate. Auch in dieser Hinsicht ist das SDG+ Lab als großes Ideenlabor angelegt“, sagt Katharina Leinius, die seit Anfang des Jahres die operative Projektleitung bei UniKasselTransfer übernommen hat.

How to Zukunft

Los geht es im Herbst auch mit den sogenannten SDG+ Challenge unter dem Motto „How to Zukunft“: Bei der Challenge geht es darum, Zivilgesellschaft, Unternehmen und Initiativen mit Wissenschaftlerinnen, Studierende und Mitarbeiter der Universität Kassel zusammenzubringen, um ganz konkrete Herausforderungen in der Region zu Energie & Umwelt gemeinsam anzugehen. Erste Ideen für Lösungsansätze wurden bereits eingereicht und sind online in Steckbrief- Form zu finden – für diese vielfältigen Ideen zu nachhaltiger Transformation von Energie & Umwelt in der Region werden Mitstreiterinnen gesucht, die bei der Weiterentwicklung und Umsetzung im Rahmen der Challenge mitmachen wollen. Beim Auftakt-Workshop der SDG+ Challenge am 17. und 18. November 2023 stellen die Ideengeberinnen und -geber ihre bisher eingereichten Ideen vor. Interessierte können sich einem Team anschließen oder auch eine komplett neue Idee vorstellen. Von November 2023 bis zum Abschluss der Challenge im Frühjahr 2024 arbeiten die Teams aus Wissenschaft und Gesellschaft an ihren Lösungsansätzen, mit Begleitung und fachlichem Input durch das SDG+ Lab. Die Teams können Materialkosten für kleinere Umsetzungen und Prototypen erstattet bekommen. Die Ergebnisse der Challenge werden im UNI:Lokal vorgestellt und präsentiert, im Sinne des Teilens von Transformationswissen; die vielversprechendsten Teams können ihre Lösung anschließend in einem Akzelerator weiterentwickeln. Mitmachen können alle Interessierten: Mitglieder der Universität ebenso wie Studierende und Bürgerinnen und Bürger. Die bisher eingereichten Steckbriefe und die Anmeldung für den Auftaktworkshop finden Interessierte unter www.uni-kassel.de/go/challenge.

Langfristig Spuren hinterlassen

Fünf Jahre und dann? Nicht jede Idee, die im SDG+ Lab entsteht, wird dauerhaft überleben, da macht sich Daniel Opper keine Illusionen. Aber: „Wir wollen langfristige Spuren hinterlassen, öffentliche Räume umgestalten, bessere, nachhaltigere Produkte entwickeln und konkrete Handlungsempfehlungen ausarbeiten“. Es sollen, so Opper, Verbünde aus Praxis und Wissenschaft entstehen, die über die Projektlaufzeit hinaus an Wegen und Werkzeugen für die sozial-ökologische Transformation arbeiten. Dafür schafft ein Team aus Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Innovationsmanagerinnen mit den wissenschaftlichen Leitungen der Themenjahre gemeinsam verschiedene Zugänge für alle Interessierten aus Wissenschaft und Gesellschaft. Daniel Opper hat für die nordhessische Region eine positiv besetzte Zukunftsvision: „Ich sehe Nordhessen unter der Metapher des ‚Sustainable Valley‘. Während das Silicon Valley Kaliforniens in technologisch-wirtschaftlicher Hinsicht Maßstäbe gesetzt hat, könnte Nordhessen zu einer sozialen, ökologischen und unternehmerisch-nachhaltigen Vorzeigeregion werden.“ Das wäre doch was – mit der Universität Kassel im Zentrum!

 

Dieser Beitrag erschien im Universitäts-Magazin publik 2023/3. Text: Beate Hentschel