11.02.2019 | Berichte aus den Bereichen

eLearning für die Aus- und Weiterbildung in China – Ein Chance für deutsche Unternehmen?

Im November 2018 fand die zweite Projektreise im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekts KoLeArn statt. Im Mittelpunkt der Reise stand die Frage, wie digitale Lehr- und Lernmethoden eingesetzt werden können, um den Fachkräftemangel in China entgegenzuwirken.

In dem Verbundprojekt KoLeArn arbeiten die Fachgebiete Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsdidaktik der Universität Kassel, das Berufsbildungszentrum BZ Kassel, die Wirtschaftsförderung Region Kassel GmbH und die Smartransfer GmbH gemeinsam an dem Vorhaben, digitale Aus- und Weiterbildungsangebote für den chinesischen Markt zu entwickeln. Im Rahmen des Projekts werden innovative Lerndienstleistungen entwickelt, die individuell auf den Lernenden eingehen. Neben der Entwicklung von Modellen, Methoden und E-Learning Werkzeugen steht die Berücksichtigung des Kontextes der Lernenden im Fokus des Projekts. „Jeder Lernende hat einen anderen Hintergrund und braucht deshalb eine individuelle Betreuung, um ihn bestmöglich aus- und weiterbilden zu können“, sagt Prof. Dr Jens Klusmeyer vom Fachgebiet Wirtschaftspädagogik.

Die Arbeitsteilung im Rahmen des Verbundprojekts erfolgt gemäß der jeweiligen Forschungs- und Kompetenzschwerpunkte der Projektpartner: Das Fachgebiet Wirtschaftsinformatik, unter der Leitung von Prof. Dr. Jan Marco Leimeister, konzentriert sich auf die Entwicklung und Konzeption der individualisierten Lerndienstleistungen und koordiniert das Projekt. Das Fachgebiet Wirtschaftsdidaktik, unter der Leitung von Prof. Dr. Jens Klusmeyer, entwickelt ausgehend von den Anforderungen zielgruppenspezifische didaktische Konzepte für arbeitsplatznahe Aus- und Weiterbildungsangebote. Dr. Ute Urbon und ihr Team vom Bildungszentrum Kassel GmbH bringen ihre jahrelange didaktisch-praktische Kompetenz mit ein sowie ihre Branchenerfahrung im Bereich der Berufsbildung. Die Wirtschaftsförderung Region Kassel GmbH, vertreten durch Geschäftsführer Kai Lorenz Wittrock, und speziell das dort angesiedelte Netzwerk Hessen-China bringen ihre Fachexpertise ein und eröffnen den Praxis- und Verbundpartnern den Zugang zu China. Im Mittelpunkt der Arbeit der SmarTransfer GmbH unter Leitung von Dr. René Wegener steht technische Umsetzung und Plattform Entwicklung des KoLeArn Lernsystems.

„Die zu entwickelnden individualisierten Lerndienstleistungen und Werkzeuge können sich im Idealfall auf unterschiedliche Lernende einstellen und damit jedem Lernenden individuelle, optimale Lerninhalte anbieten“, sagt Prof. Dr. Jan Marco Leimeister. Die Nachhaltigkeit der erarbeiteten Forschungsergebnisse wird im Projekt durch die Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle sichergestellt, die bereits im Zuge der Entwicklung der Lerndienstleistungen berücksichtigt werden.

Vom 12. bis 22. November 2018 fand die zweite Projektreise des Verbundprojekts KoLeArn statt, welches sich mit innovativen Aus- und Weiterbildungskonzepten in China beschäftigt. Ziel der Reise war die Erhebung von Anforderungen und die Sammlung erster Daten bei den beteiligten Projektpartnern in China. Hierbei konnten Produktionsstätten, die über ganz China verteilt sind, besucht und analysiert werden. Dabei stellte sich heraus, dass die Betriebe durch das in China unbekannte Duale Ausbildungssystem die Ausbildung Ihrer Mitarbeiter oftmals selbst übernehmen müssen. Die in Berufsschulen angebotene Ausbildung ist oftmals sehr theoretisch und lässt sich nur schwer auf den individuellen Hintergrund der Mitarbeiter anpassen. Dabei stehen die Bedürfnisse der Mitarbeitenden in der Aus- und Weiterbildung im Fokus des Forschungsprojekts. Hierbei sollen Systeme entwickelt werden, welche individuell auf die Mitarbeitenden zugeschnitten sind, damit diese nur die für sie relevanten Informationen erhalten. Durch diese individuelle Berücksichtigung soll die Lernerfahrung der Mitarbeiter verbessert werden, um damit eine bessere und schnellere Aufnahme von Informationen zu gewährleisten.

Unter anderem fand dabei eine Besichtigung des aus Nordhessen stammenden aber international agierenden Pharma- und Medizintechnikhersteller B.Braun statt. B.Braun, in China bereits seit 2005 tätig, beschäftigt an seinem Standort rund 550 Mitarbeitende. Der enge Kontakt zu den Partnerfirmen in China im Laufe des auf drei Jahre geförderten Projekts stelle eine wichtige Voraussetzung dar, um praxisnahe Lösungen entwickeln zu können. Diese Lösungen werden individuell auf den jeweiligen Anwendungsfall angepasst und sollen nicht nur effizient, sondern auch kostengünstiger als bestehende Systeme werden.

 

Kontakt:
Dr. Andreas Janson
Universität Kassel
Fachgebiet Wirtschaftsinformatik
Tel.: +49 561 804-6321
E-Mail: andreas.janson[at]uni-kassel[dot]de

Prof. Dr. Jan Marco Leimeister
Universität Kassel
Fachgebiet Wirtschaftsinformatik
Fachgebietsleiter