Kon­zept

Pu­bli­ka­ti­ons­rei­he zur Grimm-Poe­tik­pro­fes­sur

Seit 2018 ist eine Publikationsreihe zu den Kasseler Grimm-Poetikprofessuren im Verlag Königshausen & Neumann etabliert. Herausgegeben und betreut wird die Reihe von Stefanie Kreuzer.

1. Band: Klaus Hoffer: Grimm-Poetikprofessor 2018
2. Band: Felicitas Hoffer: Grimm-Poetikprofessorin 2019

Her­aus­ra­gen­de Preis­trä­ger*in­nen

Mit der Grimm-Poetikprofessur hat die Universität Kassel bereits so bedeutsame und zu­gleich thematisch und stilistisch heterogen schreibende Literaten geehrt wie die Nobelpreisträgerin Herta Müller (1998), Christoph Hein (2002), Rafik Schami (2010) oder Sibylle Lewitscharoff (2013). Seit Beginn der Vorlesungsreihe zeichnet sich das Konzept der Poetikprofessur zudem durch einen weiten Autorbegriff sowie ein intermedial umfangreiches Poetikverständnis aus. Demzufolge finden sich unter den PreisträgerInnen auch mediale Grenz­gänger wie der Dramatiker Tankred Dorst (1986) oder der Regisseur und Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff (2011).

Ak­tu­el­le Pro­fi­lie­rung

Gegenwärtig wird die Kasseler Grimm-Poetikprofessur medienästhetisch akzen­tu­iert und erhält einen zusätzlichen dezidiert filmischen Schwerpunkt. Unter der Leitung von Prof. Dr. Stefanie Kreuzer (»Neuere Deutsche Literatur­wissen­schaft/Me­dien­wissen­schaft«) soll die Poetik­pro­fessur zukünftig im jährlichen Wechsel an Literaten und Filmschaffende ver­geben werden. Diese mediale ›Öffnung‹ steht ganz im Zeichen der Grimm’schen Namensgeber. Denn schon die Märchensammlung der Brüder Grimm markiert einen bedeutsamen Medienwechsel von der Oralität zur Schriftlichkeit, von den mündlich tradierten und ritualisierten Märchen­er­zäh­lun­gen hin zu einer schriftlich fixierten, sprachlich normierten und narrativ überformten Text­samm­lung.

Ver­an­stal­tungs­pra­xis

Ein wichtiges Anliegen der Grimm-Poetikprofessur ist es seit jeher, einen produktiven Austausch zwischen der universitären Literatur-/Film-/Medienwissenschaft, zeitgenössischen Literaten, Dramatikern und Filmschaffenden sowie einer kulturell interessierten Öffentlichkeit herzustellen. Die Veranstaltungs­reihe setzt sich dabei stets aus drei Teilen zusammen:

(a) einer öffentlichen Antrittsvorlesung zu einem von den PoetikprofessorInnen selbstgewählten Thematik,

(b) einer öffentlichen Lesung aus einem aktuellen Text – respektive zukünftig auch einer Filmsichtung – sowie

(c) einer hochschulöffentlichen (Seminar‑)Veranstaltung, welche speziell an die Kasseler Studierenden adressiert ist.

Darüber hinaus wird die intensive Auseinandersetzung mit den – im weitesten Sinne – ›ästhetischen‹ Arbeiten der Ausgezeichneten seit einigen Jahren auch durch fachwissenschaftliche Lehrveranstaltungen des Instituts für Germanistik begleitet, in denen literarische und filmische Arbeiten der PoetikprofessorInnen mit den Studierenden reflektiert werden.

Ver­an­stal­tungs­or­te

Die Kasseler Poetikvorlesungen haben im Laufe ihrer Geschichte an unterschiedlichen öffentlichen Orten in der Stadt, an der Kunsthochschule und der Universität Kassel stattgefunden. Bis 2008 waren die Veranstaltungen im Eulensaal der Murhardschen Bibliothek angesiedelt. Später gastierten die PoetikprofessorInnen im zur Karlshaue hin geöffneten Hörsaal der Kunsthochschule. In den letzten Jahren fanden die Veranstaltungen wegen des großen, öffentlichen Interesses im größten, circa 650 Personen fassenden Hörsaal I des neugebauten Campus Center der Universität Kassel auf dem Holländischen Platz statt. In Zukunft könnten Veranstaltungen im Rahmen der Poetikprofessur zudem auch in städtische Kinos Einzug halten.

Ge­schich­te und Tra­di­ti­on

Die Kasseler Brüder-Grimm-Poetikprofessur wird seit 1985 von der Universität Kassel vergeben und ist aktuell von der Kasseler Sparkasse gestiftet. Ursprünglich als zentrale Einrichtung der Reformhochschule Kassel initiiert, wurde die Poetikprofessur in den vergangenen Jahren vom Institut für Germanistik an herausragende AutorInnen, aber auch DramatikerInnen und Regisseure verliehen. Namensgeber für die Poetikprofessur sind die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, die in Kassel gelebt und gearbeitet haben. Ihr gattungs­über­grei­fen­des, vielfältiges und interdisziplinäres Wirken ist editorischer, wissenschaftlicher und poli­tischer Art und reicht von der Herausgeberschaft der Kinder- und Hausmärchen, über Ver­dienste um die Er­for­schung der deutschen Sprache, bis hin zu ihrem humanistischen Engagement beim Ausformulieren von Men­schenrechten.

Bild: Nieves de le Fuente Gutiérrez

Ja­cob und Wil­helm Grimm

Das gattungsübergreifende und weitgespannte Werk Jacob und Wilhelm Grimms ist editorischer, wissenschaftlicher und politischer Art.

Als Teil der Göttinger Sieben setzten sich die Brüder Grimm zudem gegen königliche Willkür und für eine liberale Verfassung ein. Im Zeichen dieses interdisziplinär vielfältigen, ebenso ästhe­ti­sch-philologischen wie gesellschaftlich-politischen Engagements steht der Kasseler Ehren­titel.

An­mer­kung

Die Brüder-Grimm-Poetikprofessur ist nicht zu verwechseln mit der Professur »Werk und Wirkung der Brüder Grimm« an der Universität Kassel. Diese Professur ist gegenwärtig mit dem Grimm-Forscher Prof. Dr. Holger Ehrhardt besetzt.