11.05.2020 | Campus-Meldung

Al­go­rith­men re:co­die­ren

Die Corona Krise und die Eindämmung der Pandemie zeigen tiefe Spuren in Arbeits- und Lebenswelt, die nun von Digitalität gekennzeichnet ist. Ein Forschungsprojekt an der Universität Kassel, gefördert von der VW Stiftung, widmet sich der algorithmischen Gouvernementalität.

Bild: peshkov / Fotolia

Im Zentrum des interdisziplinären Forschungsprojekts „Re: Coding Algorithmic Culture“ steht die Frage, wie Wissen im Digitalen organisiert ist. „Nicht zuletzt durch das Vordringen von Algorithmen in all unsere Lebensbereiche sind wir an binäres Denken gewöhnt“, sagt Prof. Dr. Elisabeth Tuider, Leiterin des Fachgebiets der Soziologie der Diversität.

Gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen in den Fachgebieten gender/diversity in informatic systems und der Theorie und Praxis der Visuellen Kommunikation an der Kunsthochschule untersucht sie, wie bestehende gesellschaftliche Ungleichheiten und Diskriminierungen durch algorithmisch basierte Sammlungen, Klassifikationen und Interpretationen von Daten fortgeschrieben werden. "Gerade die aktuellen Diskussionen um Covid-19 zeigen in vielen Bereichen Merkmale dieses binären Denkens - krank vs. gesund, alt vs. jung, Mundschutz oder nicht – gebündelt in der Frage: welches Leben ist lebbar?", sagt Prof. Dr. Tuider. Das Projekt wird im Sommersemester digital veranstaltet, unter anderem geht es am kommenden Dienstag um die Frage des Social Distancing. "Diese Pandemie macht die impliziten und verborgenen Matrizen sozialer Diskriminierungen und Ungleichheiten viel sichtbarer. Während sich unsere soziale Verbindung fast ausschließlich auf das Internet verlagerte, sehen wir aktuell, wie sich dies auch auf unser Online-Leben auswirkt" sagte Dr. Pinar Tuzcu.

Darüber hinaus soll in dem Forschungsprojekt auch konkret daran gearbeitet werden, wie diese Diskriminierungen und Ungleichheiten irritiert oder sogar umgeschrieben werden können. „Wir planen dazu eine Reihe von Veranstaltungen, in denen kritisches, queer-feministisches, antirassistisches und dekoloniales Wissen im digital-realen Raum weiter vorangetrieben werden“, erläutert Prof. Dr. Johanna Schaffer. Zum Einsatz kommen dabei innovative Veranstaltungformate wie Hackathons, Game Jams, Coding-Workshops, partizipatorische Design Labs, Design Noir Experimente, Performances, Ausstellungen sowie Video- und Textanalysen. Im Sommersemester lädt das Projekt zu vier labs ein, am 12.5. findet das Lab „Social distancing in times of social media“ statt. 

 

Ansprechpartnerin:

Prof. Dr. Elisabeth Tuider
Soziologie der Diversität

FB Gesellschaftswissenschaften
Universität Kassel
Nora-Platiel-Str. 5
34127 Kassel

Mail: tuider@uni-kassel.de