11.07.2018 | Porträts und Geschichten

"Ich ge­be mein prak­ti­sches Wis­sen gern an die Stu­die­ren­den wei­ter"

Prof. Dr. Stefanie Bremer im Interview

Portraitfoto Prof. Dr. Stefanie BremerBild: Andreas Fischer
Prof. Dr. Stefanie Bremer

„Das Auto ist für viele Menschen weiterhin ein wichtiges Fortbewegungsmittel. Andere nutzen Bus und Bahn, fahren mit dem Rad zur Arbeit oder gehen gern zu Fuß: In einer Stadt treffen unterschiedliche Bedürfnisse von Verkehrsteilnehmern aufeinander. Um ihnen gerecht zu werden, bedarf es einer guten Planung und Gestaltung, bei der die Verkehrsinfrastruktur auf den Stadtraum und damit an die Mobilitätskulturen der Menschen angepasst wird. Genau darum geht es in meinem Fachgebiet. Seit einem Jahr bin ich als Professorin im Fachbereich Architektur, Stadtplanung und Landschaftsplanung der Universität Kassel tätig und dort für das Thema Integrierte Verkehrsplanung und Mobilitätsentwicklung zuständig.

Vor meiner Berufung an die Universität Kassel habe ich das Hamburger Stadt- und Verkehrsplanungsbüro orange edge mitgeführt und dort unter anderem Pläne für Straßenraumgestaltung, Lärmschutz, Radschnellwege und Strategien zur Umsetzung von neuen Formen der urbanen Mobilität entwickelt. Heute gebe ich dieses praktische Wissen gern an meine Studenten weiter. Berufspraxis und anwendungsorientierte Forschung sind ein wesentlicher Bestandteil in meiner Lehre. Neben der Grundlagenvermittlung können Studierende ihre konzeptionellen Fähigkeiten in Seminaren und Projekten weiter schulen. In einem aktuellen Seminar geht es zum Beispiel um die Erstellung eines Rad-Verkehrsindexes und konkret um die Frage, welches Potenzial Städte für Fahrradverkehr haben. Aus meiner Sicht macht Mobilität eine Stadt lebendig und interessant. Unterschiedliche Landschaften, Lagen und Einwohnerstrukturen erfordern verschiedene Verkehrslösungen. Kassel ist ein gutes Beispiel dafür: Die Stadt liegt zentral in Deutschland und an wichtigen Autobahnachsen, ist ein Drehkreuz der Logistik. Schwerlast- und Pkw-Verkehr spielen daher eine wichtige Rolle bei der Betrachtung der Verkehrssituation. Gleichzeitig verfügt die Stadt auch über dicht bebaute, durchmischte Viertel, die gute Voraussetzungen für neue urbane Mobilitätskonzepte bieten. Verkehrskonzepte müssen also stets raumdifferenziert erarbeitet werden – sonst passen sie nicht und lassen sich nicht gut umsetzen.

In der Forschung beschäftige ich mich mit einer innovativen und dabei verträglichen Straßenraumgestaltung und dem Implementierungsmanagement. Weitere Forschungsfelder liegen in den Bereichen Mobilitätsmanagement, Digitalisierung, Smart City und Radverkehrsplanung. An der Universität Kassel steht mir dafür ein junges Mitarbeiterteam zur Seite, das unterschiedliche Methoden und Entwurfstaktiken in die Arbeit einbringt.“