01.06.2022 | Pressemitteilung

Fahr­gast­nach­fra­ge im ÖPNV lässt sich au­to­ma­tisch er­mit­teln

Im Nordhessischen Nahverkehr gibt es ein funktionierendes System, um die Fahrgastnachfrage automatisch zu ermitteln. Ein Forschungsprojekt, das unter anderem Daten über Handystandorte auswertet, ist erfolgreich abgeschlossen worden. Das neue System hilft Verkehrsgesellschaften dabei, ihre Planung an der Nachfrage zu orientieren und teure Fahrgastbefragungen zu reduzieren. Der Nordhessische Verkehrsverbund NVV testet es pilotweise. Das Fachgebiet Verkehrsplanung und Verkehrssysteme der Universität Kassel war beteiligt.

Projektlogo

Drei Jahre lang war ein Projektkonsortium der Frage nachgegangen, wie sich verschiedene Datenquellen zur Ermittlung der Fahrgastnachfrage im ÖPNV nutzen lassen. Datenschutzkonform haben Wissenschaftler und Praktiker hierfür ein geeignetes Verfahren entwickelt und in Nordhessen pilotweise getestet. Das Projekt bereitet den Weg, um zukünftig aktuellere und aussagekräftigere Nachfragedaten zur ÖPNV-Nutzung bereitzustellen.

Das Projekt „Mobile Data Fusion“ lief von Dezember 2018 bis Februar 2022 und wurde im Rahmen der Innovationsinitiative mFUND mit insgesamt 1.743.242 Euro durch das Bundesministerium für Digitales und Verkehr gefördert. Das Projektkonsortium setzte sich aus der WVI Prof. Dr. Wermuth Verkehrsforschung und Infrastrukturplanung GmbH aus Braunschweig, dem Nordhessischen VerkehrsVerbund NVV, dem Fachgebiet Verkehrsplanung und Verkehrssysteme der Universität Kassel, der INIT GmbH aus Karlsruhe und der BLIC GmbH aus Berlin zusammen.

Das im Forschungsprojekt entwickelte Verfahren basiert auf der Fusion von Zähldaten aus dem Automatischen Fahrgastzählsystem (AFZS) und mittels Sensorik erfassten WLAN- und Bluetooth-Signalen. Die automatisierte Verknüpfung der verschiedenen Datenquellen ermöglicht tagesaktuelle Informationen über die Fahrgastnachfrage. Darin sind insbesondere auch Informationen über Quelle-Ziel-Verflechtungen enthalten. Der Ansatz „Privacy by Design“ stellte von Beginn an die datenschutzkonforme Bearbeitung sicher.

Für den Pilotbetrieb wurden zusätzlich zum AFZS acht Testlinien, 40 Haltestellen und 50 Fahrzeuge mit WLAN- und Bluetooth-Sensorik ausgestattet. Für die Kalibrierung wurden zudem zwei Fahrgastbefragungen durchgeführt. Das Verfahren soll zukünftig im Praxiseinsatz weiterentwickelt und für spezifische Anwendungen optimiert werden. 

„Es ist ein großer Erfolg, dass wir mit Projektabschluss ein funktionierendes Verfahren vorweisen können. In Zukunft wird es vor allem darum gehen, weitere Datenquellen zu erschließen und dadurch die Aussagekraft der Ergebnisse zu steigern“, sagt Projektleiterin Dr. Antje-Mareike Dietrich von der WVI GmbH aus Braunschweig. Am 20. Mai 2022 wurden die Ergebnisse der interessierten Öffentlichkeit im Rahmen eines Workshops vorgestellt.

Über das Förderprogramm mFUND des BMDV

Im Rahmen des Förderprogramms mFUND unterstützt das BMDV seit 2016 Forschungs- und Entwicklungsprojekte rund um datenbasierte digitale Innovationen für die Mobilität 4.0. Die Projektförderung wird ergänzt durch eine aktive fachliche Vernetzung zwischen Akteuren aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Forschung und die Bereitstellung von offenen Daten auf dem Portal mCLOUD. Weitere Informationen finden Sie unter

www.mfund.de

 

Pressekontakt:
Dr. Antje-Mareike Dietrich
Tel.: 0531 38737 54
Fax.:  0531 38737 33
E-Mail: a.dietrich@wvigmbh.de
www.wvigmbh.de

Kontakt an der Universität Kassel:
Prof. Dr.-Ing. Carsten Sommer
Fachgebiet Verkehrsplanung und Verkehrssysteme
Tel.: 0561 804 3381
E-Mail.: