17.01.2020 | Campus-Meldung

Land­schaf­ten sind wich­tig für Leib und See­le

„Ganz schön viel Landschaft hier“ – dieser Stoßseufzer entfährt manchen Beobachtern, die sich in vermeintlich langweiliger Umgebung wähnen. Vielen ist dabei gar nicht klar, wie wichtig Landschaften für unser körperliches und seelisches Wohl sind.

Bild: Jesus Arias/Fotolia.

Ein Team aus Wissenschaftlern unter der Leitung von Prof. Dr. Tobias Plieninger hat jetzt eine Studie veröffentlicht, die der Frage nachgeht, welche Auswirkungen Landschaften auf das menschliche Wohlbefinden haben. „Wir können in unserer Forschung feststellen, dass die sie umgebende Natur die Menschen glücklicher und gesünder macht“, sagt Plieninger, der eine gemeinsame Professur der Universitäten Göttingen und Kassel innehat.

„Insbesondere die Beiträge von Landschaften für die psychische und physische Gesundheit der Bevölkerung finden bislang noch viel zu wenig Beachtung in der Forschung zu Ökosystemdienstleistungen“, erklärt Plieninger weiter. Daher hat er zusammen mit einem internationalen Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zwölf verschiedener Universitäten u.a. aus Deutschland, Dänemark, Finnland und Spanien eine große Studie durchgeführt, um den Wert zu ermitteln, den Menschen der sie umgebenden Landschaft beimessen. Die Untersuchung ist Teil des EU-Forschungsprojekts AGFORWARD (www.agforward.eu).

Die Forscher befragten dazu rund 2.000 Menschen in zehn europäischen Ländern über ihre Einschätzung zu Landschaften. Die Menschen nannten 40 verschiedene Kategorien, über die sich die Landschaften positiv auf ihr Wohlergehen auswirkten: Ruhe, Friedfertigkeit und Entspannung wurden in allen Gegenden am häufigsten von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Studie genannt. Landschaften sind in den Augen der Befragten auch besonders wichtig als Begegnungsorte für Familien, Freunde und Gemeinschaften. Auch die Natur und die Ästhetik von Landschaften wurde hoch gewertet.

Allerdings stellt die Studie auch spezifische Charakteristika zwischen den zehn verschiedenen Ländern im Hinblick auf den Einfluss der Landschaft für das menschliche Wohlbefinden fest. „Unsere Arbeit zeigt ganz klar, dass es vordefinierte Ideen von Wohlbefinden gibt, die abhängig vom kulturellen und geografischen Kontext sind“, erläutert Dr. Maria Garcia-Martin von der Universität Göttingen, die ebenfalls an der Studie beteiligt war. Beispielsweise spielen die Erreichbarkeit von öffentlicher Infrastruktur eine größere Rolle in den peri-urbanen, also stadtnahen, Landschaften in Schweden und der Schweiz, während die Landschaft als Ort sozialer Kontakte in den südeuropäischen Untersuchungsgebieten von hoher Bedeutung ist.

Die Studienautoren folgern daraus, dass Landschaften Ausgangspunkt für Planungs- und Managemententscheidungen sein sollten – vor allem, um Landschaften als spezifische Orte mit speziellen Beziehungen zwischen Mensch und Natur zu erhalten. „Die vielfältigen Beziehungen von Mensch und Natur in ländlichen Räumen, ihr Gefüge und ihre Bedeutung für das Wohlbefinden der Menschen sind zentral für eine nachhaltige Landschaftsentwicklung und sollten vor Planungs- und Managemententscheidungen identifiziert und benannt werden“, sagt Dr. Mario Torralba von der Universität Kassel.

 

Die Studie „Perceived contributions of multifunctional landscapes to human wellbeing: Evidence from 13 European sites” wurde in dem Fachjournal “People and Nature” publiziert und ist frei zugänglich unter: besjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/pan3.10067