15.01.2020 | Pressemitteilung

Nord-Süd-Be­zie­hun­gen neu den­ken

Entwicklungshilfe – dieser Begriff weckt viele Assoziationen: Die einen sehen vor ihrem inneren Auge hilfsbereite Menschen, die voll guter Absichten in arme Länder reisen. Andere sehen darin allenfalls ein Trostpflaster für ungerechte Strukturen der Weltwirtschaft.

Bild: Uni Kassel

Professor Dr. Aram Ziai positioniert sich in dieser Frage eindeutig: „Der gesamte Diskurs über entwickelte und unterentwickelte Länder entspringt einem kolonialistischen Denken“, sagt der Politikwissenschaftler, der an der Universität Kassel das Fachgebiet für Entwicklungspolitik und Postkoloniale Studien leitet. „Entwicklungszusammenarbeit ist auch heute zum Teil eher verkappte Außenwirtschaftsförderung und ändert nichts an den ungerechten internationalen Strukturen, die seit der Kolonialzeit bis heute bestehen.“

Mit seiner Forschung will Prof. Ziai dazu beitragen, diese Strukturen zu überwinden und die Nord-Süd-Beziehungen auf eine neue Basis zu stellen. Auf dem Weg dahin hat Ziai, dessen Professur als Heisenberg-Professur der Deutschen Forschungsgemeinschaft entstanden ist, jetzt einen großen Schritt getan: Gemeinsam mit 12 Universitäten und rund 20 Nichtregierungsorganisationen aus der ganzen Welt hat er einen Antrag beim Deutschen Akademischen Austauschdienst DAAD eingereicht, der vor kurzem bewilligt wurde: Zum 1. April 2020 startet im Rahmen des Exceed-Programms („Hochschulexzellenz in der Entwicklungszusammenarbeit“) das neue Zentrum namens GPN – GPN steht für „Global Partnership Network“. Nachdem in den letzten zehn Jahren bereits das International Center for Development and Decent Work (ICDD) gefördert wurde, ist das GPN bereits das zweite Exceed-Zentrum an der Uni Kassel.

„Das GPN will einerseits konkrete Fragen der Entwicklungszusammenarbeit und Weltwirtschaft in den Fokus nehmen – also globale Partnerschaften in den Bereichen Landwirtschaft, Finanzen und erneuerbare Energien“ schildert Prof. Ziai. „Gleichzeitig wollen wir aber in den kommenden fünf Jahren auch ganz stark basisorientierte Arbeit leisten, um benachteiligte Gruppen in verschiedenen Ländern in den Prozess der Wissensproduktion mit einzubeziehen.“

Dazu sollen unter anderem Workshops organisiert werden, um Menschen zu ermöglichen, auf Augenhöhe in die Diskussionen rund um die Entwicklungszusammenarbeit einzusteigen. Um im globalen Netzwerk die Umwelt nicht mit vielen Flugreisen zu belasten, sollen dafür innovative Wege entwickelt werden, um auch digital zusammenzuarbeiten – per Video-Konferenz, Online-Kursen und Open-Source-Software.

Prof. Ziai: „Wir hoffen, dass wir mit dem neuen Exceed-Zentrum einen Beitrag dazu leisten können, koloniale Denkmuster und Praktiken zu überwinden und den Weg zu einer tatsächlichen globalen Partnerschaft einzuschlagen – ganz so, wie es in den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen festgehalten ist.“ 

 

Kontakt:

Prof. Dr. Aram Ziai

Fachbereich Gesellschaftswissenschaften
Nora-Platiel-Str. 1
34127 Kassel

E--Mail: ziai[at]uni-kassel[dot]de