Chris­toph Hein

Mit der Brüder-Grimm-Gastprofessur an der Kasseler Universität wurde 2002 der Schriftsteller Christoph Hein betraut. Hein bot vom 23. bis 25. Januar drei Veranstaltungen im Eulensaal der Murhardschen und Landesbibliothek in Kassel an:

Am 23. Januar um 19 Uhr sprach er über "Literatur und Prägungen. Voraussetzungen meiner Arbeit"; am 24. Januar um 16 Uhr hielt er am selben Ort ein Seminar und am 25. Januar um 19 Uhr eine Lesung ab.

Mit der Verpflichtung von Christoph Hein gelang es dem Fachbereich Germanistik mit Unterstützung der Kasseler Sparkasse wieder, einen der großen Namen aus der Welt der Literatur nach Kassel zu ziehen. Mit mehr als zehn Theaterstücken, zahlreichen Romanen und Erzählungen ist der 1944 in Schlesien geborene und bei Leipzig aufgewachsene Hein zu einem der bedeutendsten Produzenten der Gegenwartsliteratur geworden. Als er 1982 mit dem Heinrich-Mann-Preis, dem angesehensten Literaturpreis der DDR, durch die Akademie der Künste ausgezeichnet wurde, war er im Westen Deutschlands noch weitgehend unbekannt. Mit "Schlötel oder Was solls" wurde sein erstes Theaterstück indessen bereits 1974 in Berlin auf die Bühne gebracht. Oft mit langer Verzögerung veröffentlicht und in der DDR nur mit mäßigem Erfolg gespielt, fanden sich in der Bundesrepublik kaum Bühnen, die seine Stücke auf den Spielplan nahmen.

Mit seiner Literatur und seinem politischen Auftreten wurde er zu einer wichtigen Figur der DDR-Wendezeit. Seine 1985/86 entstandene Komödie "Die Ritter der Tafelrunde" (Westdeutsche Erstaufführung am Kasseler Staatstheater) wurde 1989/90 zum meistgespielten Theaterstück in der zerbröselnden DDR, wobei sich Hein immer dagegen verwahrt hat, ein Stück über die Führungsclique der DDR geschrieben zu haben. Es ist wohl eher ein burleskes Stück über Gemeinschaften, die sich durch ritualisiertes Denken und Handeln selbst blockieren. Die Rolle des Intellektuellen und sein Ort in einem geschichtlichen Umfeld werden immer wieder Thema bei Christoph Hein, so auch in seinem ersten, wiederum nach einigen Verzögerungen 1985 erschienen wichtigen Roman "Horns Ende".

Prei­se und Aus­zeich­nun­gen (Aus­wahl):

  • 1982 Heinrich-Mann-Preis der Akademie der Künste der DDR
  • 1983 Deutscher Kritikerpreis
  • 1989 Lessing-Preis der DDR
  • 1990 Erich-Fried-Preis
  • 1992 Berliner Literaturpreis
  • 1994 Bundesverdienstkreuz
  • 2000 Solothurner Literaturpreis
  • 2002 Österreichischer Staatspreis für Europäische Literatur
  • 2003 Calwer Hermann-Hesse-Stipendium
  • 2004 Schiller-Gedächtnispreis
  • 2008 Walter-Hasenclever-Literaturpreis
  • 2010 Eichendorff-Literaturpreis
  • 2013 Internationaler Stefan-Heym-Preis