Ra­fik Scha­mi

Der syrisch-deutsche Schriftsteller Rafik Schami hatte im Sommersemester 2010 die Brüder-Grimm-Professur inne. Mit Schami lud die Universität Kassel einen Literaten ein, der sich seit Jahren bemühte, die Welten von Orient und Okzident einander näher zu bringen. Vom 19. bis 21. Mai lenkte Schami in einer Veranstaltungsreihe den Fokus auf die Erzählkunst selbst - neben der Politik ein weiteres zentrales Thema seiner Prosa. Im Vortrag „Mündlichkeit als Rettung" setzte sich der Autor am 19. Mai um 19 Uhr insbesondere mit der ursprünglichen Daseinsform des Erzählens auseinander. Am 20. Mai um 16 Uhr fand ein öffentliches Seminar mit dem Titel „Dorfplatzgeschichten" statt und am 21. Mai bot Schami eine öffentliche Erzählung an. Alle Veranstaltungen fanden im Hörsaal der Kasseler Kunsthochschule (Menzelstraße 13-15, Nordbau A) statt.

Der 1946 in Damaskus geborene und seit 1971 in Deutschland lebende Schami ist promovierter Chemiker. Schon in Syrien engagierte er sich literarisch als Gründer und Autor der Wandzeitung „Al-Muntalek" (dt. Ausgangspunkt), die 1969 verboten wurde. Schamis vielfältiges Werk umfasst nahezu alle literarischen Genres: von Romanen für Jung und Alt, über politische Essays und Satiren bis hin zu Theaterstücken und Hörspielen. In seinen Texten verbindet er immer wieder eine scheinbar naive Verliebtheit in die traditionelle orientalische Fabulierkunst mit einem wachen Blick für heikle politische Verhältnisse und Gefahren. Seine wichtigsten Werke sind unter anderem: „Eine Hand voller Sterne" (1987), „Erzähler der Nacht" (1989), „Der ehrliche Lügner" (1992) sowie der große Roman „Die dunkle Seite der Liebe" (2004), der bei der Literaturkritik große Anerkennung fand.

A. Czajkowska/p

Prei­se und Aus­zeich­nun­gen (Aus­wahl):

  • 1989 Smelik-Kiggen-Preis (Niederlande)
  • 1990 Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar
  • 1991 Mildred L. Batchelder Award (USA)
  • 1993 Adelbert-von-Chamisso-Preis
  • 1994 Hermann-Hesse-Preis
  • 1997 Storytelling World Award (USA)
  • 2007 Nelly-Sachs-Preis
  • 2011 Georg-K.-Glaser-Preis
  • 2011 Preis Gegen Vergessen – Für Demokratie