Te­ré­zia Mo­ra

– Stefanie Kreuzer | Stand: 23. Mai 2021 –

GPP-Ver­­­an­stal­­­tun­­­gs­­­rei­he mit Te­­ré­zia Mo­­ra (So­­Se 2021)

Die öffentlichen Veranstaltungen im Rahmen von Terézia Moras Grimm-Poetikprofessur werden von Mo. bis Do., 7.–10. Juni 2021, in Online-Formaten stattfinden.

Insgesamt bestehen die Veranstaltungen zu Terézia Moras Grimm-Poetikprofessur aus drei Teilen: (1) einer aufgezeichneten digitalen Antrittsvorlesung (asynchron), (2) einem Online-Live-Gespräch mit Terézia Mora (via Zoom-Meeting) sowie (3) einem Poetik-Seminar für Studierende der Universität Kassel.

 

Plakat zu Terézia Moras
Grimm-Poetikprofessur 2021
(Plakat: Stefanie Kreuzer;
Foto: Antje Berghäuser)

Ad (1): Te­ré­zia Mo­ras Poe­tik-Vor­le­sung (ab 7. Ju­ni)

Die digitale Antrittsvorlesung mit dem Titel »Agoraphobiker auf Aussichtsplattformen« ist nun als (asynchroner) Filmstream öffentlich auf dieser Homepage zu sichten (bis mind. 24. KW).

Ad (2): On­line-Mee­ting mit Te­ré­zia Mo­ra u. Film­trai­ler (9. Ju­ni 2021, 18–20 Uhr)

Am Mittwoch, dem 9. Juni 2021, wird ab 18 bis ca. 20 Uhr ein öffentliches (Zoom‑)Meeting mit max. 300 Teilnehmer:innen stattfinden. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich. Die Online-Veranstaltung wird zu Dokumentations- und Forschungszwecken aufgezeichnet. Der Ablauf ist folgendermaßen geplant:


  • ca. 18–19 Uhr: Eröffnung/Begrüßung (Prof. Dr. Stefanie Kreuzer), Grußwort der Vizepräsidentin der Universität Kassel Prof. Dr. Ute Clement, öffentliche Preisverleihung, (Publikums-)Gespräch mit Terézia Mora insbesondere über ihre Antrittsvorlesung
  • ca. 19–20 Uhr: Premiere des Trailers zum Experimentalfilm SIE SAGEN IMMER TERÉZIA MORA (D 2021), der anlässlich der Grimm-Poetikprofessur unter der Regie von Thomas Henke entstanden ist; digitales Plenum mit Terézia Mora, dem Filmregisseur Prof. Thomas Henke (FH Bielefeld), der Initiatorin Prof. Dr. Stefanie Kreuzer (Univ. Kassel) sowie weiteren am Filmprojekt Beteiligten (Andreas Jungwirth, Klaus Siblewski, Flora Saß), die über den Film berichten und mit einem interessierten Publikum in Dialog treten
  • Zoom-Meeting-Link (inkl. PW): conf-uni-kassel.zoom.us/j/99486636424  (Link zum ZOOM-Help-Center)

Ad (3): On­line-Poe­tik-Se­mi­nar mit Te­ré­zia Mo­ra

Das Poetik-Seminar findet im Rahmen des von Prof Dr. Stefanie Kreuzer geleiteten Begleitseminars »Terézia Mora – Grimm Poetikprofessorin 2021« hochschulöffentlich (mit begrenzter Teilnehmer:innenzahl) statt. Es wird als (Zoom-)Meeting (inkl. Videoaufzeichnung) abgehalten. Das Seminar wird donnerstags, am 27. Mai sowie am 10. Juni 2021, jeweils von 12 bis 14 Uhr stattfinden.


Grimm-Poe­tik­pro­fes­so­rin 2021: Te­ré­zia Mo­ra

Terézia Mora (*1971) erhält 2021 die Kasseler Grimm-Poetikprofessur.

Terézia Moras fiktionale Texte beeindrucken, wie bereits im Rahmen der Büchner-Preis-Verleihung (2018) herausgestellt, durch »ihre eminente Gegenwärtigkeit und lebendige Sprachkunst, die Alltagsidiom und Poesie, Drastik und Zartheit vereint.« Ihre Textwelten sind von einem Figurenpersonal bevölkert, das häufig Sonderlinge, prekäre Existenzen, moderne Nomaden, unglücklich wirkende Einzelgänger und skurrile, sympathische Fremde versammelt. Für Terézia Moras Erzählen sind lebendige Figurenschilderungen und visuell eindrückliche Welten charakteristisch. Ebenso treten selbstreflexive Momente und spielerisch experimentelle Elemente hervor, die die erzählten Welten mitunter ironisch brechen. Exemplarisch anzuführen sind etwa textlich nebeneinander platzierte simultane Erzählstränge und -perspektiven sowie damit einhergehend verschiedene individuelle Leserichtungen oder auch durchgestrichene Wörter und graphisch strukturierte Textanordnungen.

Als Prosaautorin hat Mora mittlerweile zwei Erzählungsbände und vier Romane publiziert. Nach ihrem frühen Erzählungsband Seltsame Materie (1999) und dem Roman Alle Tage (2004) folgte über die Dauer eines Jahrzehnts eine Romantrilogie, die von dem zugleich extremen und kuriosen Leben des IT-Spezialisten Darius Kopp erzählt. Die Trilogie reicht von Der einzige Mann auf dem Kontinent (2009) über Das Ungeheuer (2013) bis hin zu Auf dem Seil (2019). Der Protagonist verbringt zunächst beruflich erfolgreiche und privat glückliche Zeiten in Berlin. Als er mit dem Suizid seiner ungarischstämmigen Frau konfrontiert wird, erlebt er diesen als Schicksalsschlag. Er zieht sich aus seinem bisherigen Leben zurück und bricht in ein zielloses Nomadendasein auf. Mit der Urne seiner Frau im Gepäck macht er sich auf die Suche nach ihrer Herkunft, reist nach Ungarn und weiter durch Osteuropa. Im dritten Teil strandet er schließlich mittellos als Gelegenheitsarbeiter, Touristenführer und Pizzabäcker auf Sizilien, bevor er mit seiner schwangeren, minderjährigen Nichte zurück nach Berlin in ein neues Leben aufbricht.

So wie Darius Kopp erscheinen viele Figuren in Moras Texten als schrullige Charaktere, die sich mehr oder weniger in ihrem Leben behaupten oder dieses gar – wie Darius’ Frau Flora – nicht mehr ertragen können. Anzuführen wäre etwa Abel Nehma, der Protagonist aus Alle Tage oder die Hauptfiguren der titelgebenden Erzählung aus der Sammlung Die Liebe unter Aliens (2015). Terézia Moras Erzählweise ist handlungsreich, bedient sich ganz unterschiedlicher Sujets – vom akademisch geprägten Leben eines japanologischen Professors im Ruhestand bis hin zur Schilderung widersprüchlicher Gefühle während einer Vergewaltigung – und wartet sprachlich mit einem großen Spektrum heterogener Töne und Stillagen auf.

Vor der Kasseler Grimm-Poetikprofessur hat Mora 2006/07 gemeinsam mit Péter Esterházy die Tübinger sowie 2013/14 die Frankfurter Poetik-Dozentur innegehabt. 2014 hat sie die Salzburger Stefan-Zweig-Poetikvorlesung gehalten.


Prei­se und Aus­zeich­nun­gen (Aus­wahl)

  • 1999: Ingeborg-Bachmann-Preis für die Erzählung Der Fall Ophelia aus dem Prosaband Seltsame Materie (1999)
  • 2000: Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis
  • 2004: Förderpreis zum Kunstpreis der Akademie der Künste (Berlin)
  • 2004: (Belletristik-)Preis der Leipziger Buchmesse für den Roman Alle Tage (2004)
  • 2005: Preis der LiteraTour Nord
  • 2006: Villa Massimo-Stipendium
  • 2006/2007: Tübinger Poetik-Dozentur zusammen mit Péter Esterházy
  • 2007: Franz-Nabl-Preis
  • 2010: Adelbert-von-Chamisso-Preis
  • 2010 Erich-Fried-Preis
  • 2011: Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW für ihr Lebenswerk sowie die Übersetzung (2010) von Péter Esterházys Ein Produktionsroman (Zwei Produktionsromane) (1979) aus dem Ungarischen
  • 2013: Deutscher Buchpreis für den Roman Das Ungeheuer (2013)
  • 2013/2014: Frankfurter Poetik-Dozentur
  • 2014: Salzburger Stefan-Zweig-Poetikvorlesung
  • 2017: Bremer Literaturpreis für Die Liebe unter Aliens (2016)
  • 2017: Preis der Literaturhäuser
  • 2017: Solothurner Literaturpreis
  • 2018: Georg-Büchner-Preis