Be­rufs­per­spek­ti­ven

Die beruflichen Perspektiven nach einem Studium der Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung sind breit gefächert. Derzeit sind Absolvent*innen mit einem Bachelor- und einem Masterabschluss auf dem Arbeitsmarkt sehr nachgefragt.

Bild: Anika Fleige

Pla­nungs­bü­ros

Je nach Ausrichtung und Größe des Büros ergeben sich unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte, etwa Entwürfe für öffentliche und private Freiräume, Beteiligungs- und Kommunikationskonzepte, Pläne und Strategien für den Umgang mit Natur und Landschaft oder ökologische Gutachten, etwa für Schutzgebiete oder bei Eingriffen durch Infrastruktur-Projekte. Um nach ein paar Jahren Berufserfahrung in die Kammer aufgenommen zu werden, muss man einen Masterabschluss nachweisen.

Bild: Stefanie Hennecke

For­schung

Wer im Laufe des Studiums Spaß an der Forschung gewonnen hat, kann einen Masterabschluss erwerben und dann an Universitäten oder anderen Forschungseinrichtungen neue Erkenntnisse in angewandten oder grundlagenorientierten Wissenschaftsbereichen gewinnen.

Bild: Heidi Trapp

Gar­ten- / Land­schafts­bau

Tätigkeiten in ausführenden Unternehmen des Garten- und Landschaftsbaus kommen ebenfalls in Frage.

Be­hör­den, Kom­mu­nen, Ver­bän­de

Ebenfalls sehr gute Perspektiven bieten sich derzeit im Bereich der öffentlichen Verwaltung. Hier reicht die Spanne von Naturschutzbehörden über weitere Fachbehörden (zum Beispiel der Regionalentwicklung, der ländlichen Entwicklung/Dorferneuerung oder der Wasserwirtschaft) bis hin zu Städten und Gemeinden mit ihren Umwelt-, Stadtplanungs- und Grünflächenämtern. Hinzu kommen Institutionen, die Planungsaufgaben für größere Räume wahrnehmen und Landschaftspläne, Landschaftsrahmenpläne, Flächennutzungspläne oder Regionale Raumordnungspläne erstellen.

Chan­cen auch jen­seits des ei­ge­nen ‚Tel­ler­rands‘

Schließlich gibt es noch viele weitere berufliche Perspektiven, zum Beispiel bei internationalen Organisationen und Beratungsunternehmen, in Einrichtungen der Umweltbildung und in Naturschutzzentren, bei Umweltverbänden und Stiftungen, in Ministerien mit Zuständigkeit für Naturschutz- und Umweltfragen. Vielfältige Möglichkeiten bieten auch so genannte Großschutzgebiete mit ihren Verwaltungsstellen, also Nationalparke, Biosphärenreservate und Naturparke.

ASL-Alum­ni I Was macht ei­gent­lich...?

Bild: Christina Grebe

Dr. -Ing. Christina Grebe
Zweckverband Raum Kassel

Christina Grebe studierte an der Universität Kassel im Bereich Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung mit der Vertiefungsrichtung Umweltmanagement und arbeitet heute beim Zweckverband Raum Kassel

Zwischen 2002 und 2007 habe ich an der Universität Kassel mein Diplom-Studium der Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung absolviert. Vertieft habe ich mein Studium durch einen darauffolgende Masterabschluss 2009 im Fach Umweltmanagement, ebenfalls an der Universität Kassel. Nach dem Studium war ich zunächst Teil mehrerer Forschungsprojekte der Universität Kassel. Dort habe ich auch erste Lehrerfahrung durch Lehraufträge gesammelt und schließlich 2017 promoviert.

Die Universität Kassel war für mich erste Wahl, da sie das persönliche Projektstudium fördert und fordert. Selbst gewählte Themenschwerpunkte, die sich über ein Semester erstrecken, sind die Regel, nicht die Ausnahme – das ermöglicht eine intensivere und tiefergehende Auseinandersetzung mit Frage- und Problemstellungen. Hinzukommt der hohe Stellenwert von Teamprojekten. Sie fördern nicht nur Teamfähigkeit, sondern ermöglichen auch in ersten Ansätzen Einblicke ins Projekt- und Organisationsmanagement. Fähigkeiten, die in nicht betriebswirtschaftlich orientierten Studiengängen häufig wenig vermittelt werden, aber im Berufsleben einen hohen Stellenwert genießen. Das Ergebnis dieser Teamorientierung: Offenheit und Neugier für Neues. Seien es Menschen, Gruppen oder Themen. Im Beruf weiß ich diese Fähigkeiten heute zu schätzen. Teamarbeit bedeutet, komplexe Aufgaben als Ganzes arbeitsteilig zu bewältigen. Dazu zählt auch die graphische Aufarbeitung. Eine Aufgabe, die mich sowohl im Studium als auch in meiner jetzigen beruflichen Tätigkeit durchgehend begleitet. Praxisbezug, Teamarbeit, die schwerpunktmäßige Beschäftigung mit Themen über einen längeren Zeitraum sind, wie erwähnt, Eckpfeiler von Forschung und Lehre an der Universität Kassel. In den Fächern Landschaftsarchitektur, Landschaftsplanung und Umweltmanagement findet diese Praxis natürlich kaum im Labor statt, sondern viel mehr draußen, in der Natur, im Freien, auf Baustellen oder bereits fertiggestellten Infrastrukturprojekten. Exkursionen und Studienfahrten sind daher für meine Studienzeit in Kassel prägend. Die Erfahrung am Objekt, sei es im Raum Kassel selbst oder in ganz Europa, war daher eine ständige Begleiterin. Der Rohbau des Gotthard-Basistunnels in der Schweiz, Sylt oder auch ein kleineres Fließgewässer in Witzenhausen, sie haben das Blickfeld erweitert.

 

 

Der Einstieg in die Arbeitswelt bringt für Absolventen von wissenschaftlichen Fachgebieten, die keine klares Berufsbild vorgeben, häufig eine neue und andere Schwerpunktsetzung des Arbeitsgebietes mit sich. Für mich bedeutet das, dass beispielsweise Landschaftsökologie nur noch einen nachgeordneten Stellenwert inne hat. Gebiete wie Landschaftsplanung und Kommunikation nehmen dagegen nach wie vor einen großen Stellenwert in meiner beruflichen Praxis ein. Stichwort Querdenken: Wie wirken öffentliche Räume oder Landschaften und deren sozial erfahrbare Komponenten auf unterschiedliche Personengruppen, wie ändert sich unsere Landschaft und wie ändert sich damit zusammenhängend unser Bild von Landschaft? Das sind die Fragen, die mich heute umtreiben. Als Beispiel mögen Frischluftschneisen dienen und wie sie sich konkret und erfahrbar auf das Stadtklima und die Menschen in der Stadt auswirken.

Seit zwei Jahren arbeite ich beim Zweckverband Raum Kassel, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Dieser besteht seit über 45 Jahren, verfügt aktuell über 22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und verantwortet für die Stadt Kassel und umliegende Kommunen die Flächennutzungs- und Entwicklungsplanung. Auf der Stabsstelle Energie und Klima zählt es zu meinen strategischen Aufgaben, Antworten zu finden, wie wir in der Region Nordhessen dem Klimawandel begegnen und die Energiewende umsetzen können. Konkret müssen diese Antworten in einen politisch und gesellschaftlich akzeptablen Planungskontext formuliert werden. Was ist notwendig, um ein neues Gewerbegebiet zu entwickeln, wie müssen die energetischen Standards gesetzt werden, die zu den Zielen der Energiewende passen oder wie wird Akzeptanz in der Bevölkerung realisiert? Kurz, als Stabsstelle Energie und Klima fungiere ich auch als Schnittstelle zur Flächennutzungs- und Landschaftsplanung. Meine Aufgabe ist, einen Gesamtblick auf die einzelnen Bereiche aus klimatischer und energetischer Sicht zu werfen.

Wie sieht so ein Arbeitsalltag in einer Schnittstellenfunktion aus? Einen typischen gibt es eigentlich nicht. Denn ich bewege mich immer zwischen den unterschiedlichen Bereichen der Verwaltung, ich begleite auch ehrenamtliche Gremien inhaltlich. Die Anbindung an die alte wissenschaftliche Arbeit ist eine Bestätigung der Arbeit 

Mein Berufsalltag heute hat wenig mit Landschaftsarchitektur wie konkreter Objektplanung zu tun. Er lässt sich eher der Landschaftsplanung zuordnen, auch wenn ich nicht aktiv diese Planung betreibe, aber sie ist Grundlage.  Das Wissen über die Planungsprozesse ist elementar - Auflagen des Baugesetzbuchs beispielsweise mögen trocken klingen. Ohne sie geht es aber nicht. Mein Beruf ist konzeptioneller Natur und für Menschen geeignet, die gerne reden, den Kontakt mit anderen Menschen schätzen, Netzwerken können. Und ganz wichtig, sich für Umwelt und Klima interessieren.


Bild: Anika Fleige

M. Sc. Anika Fleige
Bruun & Möllers GmbH & Co. KG.

Anika Fleige studierte Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung mit der Vertiefungsrichtung Städtebau an der Universität Kassel und arbeitet heute als Landschaftsarchitektin beim Landschaftsarchitekturbüro Bruun & Möllers in Hamburg.

Von 2012 bis 2019 habe ich zunächst im Bachelor und später im Master Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung an der Universität Kassel studiert. Nach 2 Praktika in privaten Planungsbüros in Hamburg und in Zürich entschied ich mich für die Vertiefungsrichtung Städtebau im Masterstudium.

Rückblickend waren am Studium neben den zahlreichen Exkursionen die Projektarbeit in Kleingruppen prägend. Die Erarbeitung komplexer Themen im Team stärkt die kommunikativen Fähigkeiten, die der heutigen Arbeitsweise in einem Planungsbüro nahekommen. Neben den sozialen Aspekten wird im Studium das eigene Organisationstalent, das Zeitmanagement, die Belastbarkeit und das Durchhaltevermögen erprobt. Kleinere und größere Präsentationen bereiten ebenfalls auf das Berufsleben als Landschaftsarchitekt:in, Landschaftsplaner:in oder Freiraumplaner:in vor. Darüber hinaus werden im Studium Kenntnisse von und der Umgang mit (Adobe-)Programmen, wie InDesign, Photoshop und Illustrator sowie CAD-Programmen, wie beispielsweise Vectorworks, vermittelt, die Planer:innen später im Berufsalltag begleiten.

Seit 2019 arbeite ich in dem Hamburger Landschaftsarchitektur-Büro Bruun & Möllers GmbH & Co. KG. In dem privaten Planungsbüro sind seit 1999 circa 18 Mitarbeiter:innen angestellt, die sowohl Wettbewerbe als auch Projekte in den Leistungsphasen 1 (Grundlagenermittlung), 2 (Vorentwurf), 3 (Entwurf) und 4 (Genehmigung) nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) bearbeiten. Die Aufträge von Bruun & Möllers reichen von öffentlichen Plätzen und Stadträumen über Parks und Gärten, Gewerbe- und Verwaltungsbauten bis hin zu Bildungs- und Kultureinrichtungen. Bei der Planung der genannten Typologien nimmt die Landschaftsarchitektur im Hinblick auf den Klimawandel zunehmend eine wichtige Rolle ein. Themen wie Regenwasserspeicherung, -rückhaltung und -verdunstung, Kühlung, Beschattung, Bepflanzung sowie Dach- und Fassadenbegrünung begleiten uns im Arbeitsalltag.

Zu typischen Aufgaben in meinem Berufsalltag gehört unter anderem die Erarbeitung und die Überarbeitung von (Vor-)Entwurfs-Lageplänen, Schnitten und Details in CAD, die Kommunikation mit Planungs- und Projektbeteiligten sowie die Vor- und Nachbereitung von projektbezogenen Präsentationen. Außerdem werden Broschüren zu Themen wie Oberflächen und Beläge, Ausstattung und Möblierung, Vegetation und Beleuchtung gestaltet. Neben der Planung und der Gestaltung von Freianlagen bin ich gemeinsam mit einem Kollegen für unsere Außenpräsentation zuständig: Im Rahmen der PR-Arbeit verwalte und aktualisiere ich die Website von Bruun & Möllers sowie deren Competitionline- und Landschaftsarchitektur-Heute-Auftritt.

In der Regel arbeite ich an mehreren Projekten gleichzeitig. Aktuell bearbeite ich ein Projekt, das aus einem gewonnenen Wettbewerb hervorgegangen ist: Die Grün- und Spielanlage im Albert-Schweitzer-Weg in Kiel. Da es sich hierbei unter anderem um eine ehemalige, circa 5 Meter tiefer als andere Bereiche der Anlage liegende Plansche handelt, spielen sowohl der Umgang mit dem Bestand als auch die Höhenplanung eine zentrale Rolle.

Kürzlich wurde zu diesem Projekt ein Workshop mit dem Bauherrn und Spielplatzplaner:innen durchgeführt. Dabei diskutieren die Projektbeteiligten gemeinsam unterschiedliche Konzepte und Gestaltungsansätze am Plan. Die Planer:innen tauschen sich zur Besonderheit des Ortes und seiner Einbindung in die Umgebung, zu unterschiedlichen Bedürfnissen von Nutzer:innen, zu konkreten Spiel- und Bewegungselementen sowie zum ursprünglichen Gestaltungsansatz im Wettbewerbsentwurf aus.

Besonders gerne gestalte ich (Vor-)Entwurfsbroschüren zu Projekten mit Adobe InDesign. Diese Art der Gestaltung umfasst die Erarbeitung, die Bearbeitung und das Layouten von Grafiken, Illustrationen, Karten, Piktogrammen, Bildern, Mustern, Strukturen, Farben und Texten.

Vor Kurzem habe ich mich mit der Möblierung und verschiedenen Möbelherstellern für das Projekt Deelböge, einem Bürocampus im Norden Hamburgs, auseinandergesetzt. Konkret werden dabei in Abstimmung und im engen Austausch mit dem Bauherrn oder der Bauherrin Entscheidungen über die Form, die Farbigkeit, die Materialität und die Funktionalität beispielsweise eines Stuhls, eines Tisches, eines Sonnenschirms und einer Picknickbank getroffen.

Aus meiner Sicht liegt der Fokus bei der Landschaftsarchitektur im Gegensatz zur Landschaftsplanung, die den Schwerpunkt auf die Ökologie, den Naturschutz und den ländlichen Raum setzt, auf dem künstlerischen Entwurf, der Objektplanung und der Gestaltung von – überwiegend urbanen – Freiräumen nach der HOAI. Weitere Themenbereiche, die eng mit der Landschaftsarchitektur verbunden sind, ist die Verkehrsplanung, die Architektur und der Städtebau.


Bild: Christoph Pelka

M. Sc. Chris­toph Pel­ka
Leitung Planungsgemeinschaft Landschaft + Freiraum

Christoph Pelka studierte von 2017 bis 2021 Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung mit der Vertiefungsrichtung Landschaftsarchitektur und Freiraumplanung an der Universität Kassel und leitet heute zusammen mit seinem Partner Robert Bischer das Landschaftsarchitekturbüro Planungsgemeinschaft Landschaft + Freiraum.

Nach dem Abitur habe ich zunächst eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner gemacht und danach ein Bachelorstudium der Landschaftsarchitektur an der Fachhochschule in Weihenstephan-Triesdorf. Im Anschluss daran habe ich zunächst einige Zeit in einem Planungsbüro in Stuttgart gearbeitet, bevor ich dann von 2017 bis 2021 ein Masterstudium in der Vertiefungsrichtung Landschaftsarchitektur und Freiraumplanung an der Universität Kassel absolviert habe.

Am Masterstudium an der Uni Kassel war für mich besonders interessant und prägend, dass ein fachlicher Weitblick vermittelt wurde, der mich rückblickend auf besondere Weise auf meinen heutigen Berufsalltag vorbereitet hat. Das betrifft insbesondere den hohen Grad der Interdisziplinarität, die einen der Grundsätze in der Lehre am Fachbereich Architektur, Stadtplanung und Landschaftsplanung bildet. Auch das wissenschaftliche Arbeiten habe ich in Kassel kennen und schätzen gelernt. Obwohl es bei meiner objektbezogenen Arbeit im Planungsbüro heute seltener zur Anwendung kommt, ist es dennoch eine wichtige Erfahrung, die mich gut auf das differenzierte Betrachten komplexer Zusammenhänge auch im Alltag gut vorbereitet hat. Nicht zuletzt war für mich das Kennenlernen und der enge Austausch mit anderen Studierenden, Lehrbeauftragten und Planer:innen ein besonders wichtiger Aspekt. So habe ich an der Universität Kassel letztendlich auch den Kontakt zu einem damaligen Lehrbeauftragten und wissenschaftlichen Mitarbeiter geknüpft, mit dem ich heute gemeinsam ein Büro für Landschaftsarchitektur leite.

Bild: Christoph Pelka

Unser Büro, die Planungsgemeinschaft Landschaft + Freiraum, wurde bereits 1981 durch die vier Gesellschafter:innen Ulrike Kirchner, Anne Rogall, Andreas Schmidt-Maas und Norbert Scholz gegründet. Im Zuge des nach 40 Jahren anstehenden Generationenwechsels habe ich gemeinsam mit meinem Büropartner Robert Bischer im Jahr 2021 den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und unsere Vorgänger abgelöst, um das Büro weiterzuführen und meinen Beruf eigenständig auszuüben.

Wir bearbeiten überwiegend Aufträge der Freiraumplanung im öffentlichen Raum. Unsere Auftraggeber:innen sind in der Regel Städte und Gemeinden in Nord- und Mittelhessen, Teilen von Nordrhein Westphalen, Südniedersachsen und Thüringen. Unsere Schwerpunkte liegen in der Gestaltung von innerstädtischen Freiräumen wie Platz- und Straßenraumgestaltungen sowie Fußgängerzonen, Grünzüge und Parkanlagen. Häufig bewegen wir uns dabei auch im Kontext historischer Altstädte. Dabei decken wir alle Leistungsphasen nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) ab und begleiten unsere Bauherr:innen somit von der Grundlagenermittlung über die verschiedenen Entwurfsstadien bis hin zur Ausschreibung und Ausführung der Baumaßnahmen. Mein Arbeitsalltag besteht auf der einen Seite aus der Planungsarbeit im Büro, also beispielsweise der Ausarbeitung von Entwürfen mittels eines CAD-Programms (computer-aided design), Baukostenkalkulationen oder dem Arbeiten an Ausschreibungstexten. Auf der anderen Seite führen wir aber auch aus zahlreichen Außenterminen durch, so beispielsweise Abstimmungen mit Auftraggeber:innen und städtischen Gremien, Präsentationen vor Ausschüssen oder Beteiligungsverfahren von Bürger:innen. Ein dritter Schwerpunkt meiner Tätigkeit ist die Bauleitung unserer Projekte, bei der auf wöchentlichen Baustellenterminen vor Ort der Baufortschritt überprüft und gesteuert wird. Letztendlich ist es so vor allem genau diese Vielfalt an unterschiedlichen Tätigkeiten, die für mich den Reiz in meinem Beruf ausmacht.

 

Die Vielfalt an unterschiedlichen Tätigkeiten bringt eine Reihe von Kompetenzen mit sich, auf die mich mein Studium aber auch die Ausbildung sowie die praktischen Tätigkeiten vorbereitet haben. Zum einen ist dabei eine gute Fähigkeit zur Organisation komplexer Zusammenhänge eine besonders wichtige Eigenschaft. Das interdisziplinäre Projektstudium in Kassel war ideal dafür geeignet, mir diese Kompetenz zu vermitteln. Die Projektarbeit setzt auf der anderen Seite aber auch ein konkretes technisches Verständnis voraus und verbindet diese mit gestalterischer Kreativität. Nicht zuletzt beinhaltet sie darüber hinaus auch das Arbeiten im Umgang mit anderen Menschen. Dies reicht vom bürointernen Arbeiten in einem Planungsteam über Kooperationen mit externen Fachplaner:innen bis hin zum Austausch mit Aufraggeber:innen und Personen ohne fachlichen Hintergrund, wie beispielsweise betroffene Anwohner:innen.

Die große Besonderheit meines Berufs ist aus meiner Sicht, dass wir Landschaftsarchitekt:innen mit der Gestaltung von Freiräumen Einfluss auf die Lebensrealität von Menschen in ihrem Alltag nehmen. Die Freiräume, die wir gestalten, müssen Gebrauchswerte für Menschen generieren und entsprechende Ansprüche erfüllen. Eng damit verbunden beeinflusst jedes Projekt mit seiner Umsetzung auch die Entwicklung und die Auswirkungen des aktuell akuten Klimawandels. Als Freiraumplaner:in sollte man daher neben einem technischen Verständnis und gestalterischer Kreativität vor allem interessiert daran sein, wie Menschen zusammenleben, welche Ansprüche sie an ihre Lebensumwelt haben und wie man diese bestmöglich gestalten kann.


Bild: Fabian Hirschauer

M. Sc. Fabian Hirschauer
Selbstständiger Landschaftsplaner

Fabian Hirschauer absolvierte an der Universität Kassel sein Masterstudium in der Vertiefungsrichtung Umweltplanung und Landschaftsmanagement und arbeitet heute als selbstständiger Landschaftsplaner mit Schwerpunkt Freilandökologie. 

Nach der Schule absolvierte ich zunächst ein Freiwilliges Ökologisches Jahr an einer Biologischen Station. Einer meiner Vorgesetzten dort erzählte mir, dass er Landschaftsplanung studiert hatte. Da mir die Arbeit dort sehr gefiel entschied ich mich für diesen Studiengang. In Höxter studierte ich zunächst Landschaftsarchitektur im Bachelor und entschloss mich anschließend für ein Masterstudium an der Universität Kassel in der Vertiefung Umweltplanung und Landschaftsmanagement. Das Studium gefiel mir sehr und ich war mir schnell sicher, dass ich zukünftig in dieser Richtung arbeiten wollen würde. Diese Einschätzung bewahrheitete sich: Seit April 2022 arbeite ich als selbstständiger Landschaftsplaner mit dem Schwerpunkt Freilandökologie.

Ein besonders positiver Aspekt meines Studiums an der Universität Kassel war die Themenvielfalt in den Modulen. Ein umfassender Blick, auch für andere Disziplinen, ist als Landschaftsplaner*in von großer Bedeutung. Die gewählte Vertiefung ermöglichte mir zusätzlich ein noch tieferes Verständnis und Fachwissen für z. B. Zusammenhänge in der Landschaft, wodurch es mir erleichtert wurde, die Landschaft zu „lesen“.

Mein Studium war insgesamt sehr projektorientiert und bestand weniger aus Vorlesungen, was ich sehr wichtig finde. Das eigenständige, aber auch gruppenbasierte Bearbeiten von Planungsaufgaben hat mir Sicherheit im Umgang mit Planungssituationen gegeben, wovon ich heute profitiere. Zum einen glichen die damaligen Projektberichte in ihrer Struktur den Gutachten die ich jetzt als selbstständiger Landschaftsplaner schreibe. Zum anderen entwickelte ich eine Sicherheit im Umgang und Kommunikation mit anderen Menschen, was in der Arbeitswelt von großer Bedeutung ist. Mein Studium hat mich dadurch sehr gut auf mein Berufsleben vorbereitet. Es ist ein gutes Gefühl, das durch das Studium erlangte Wissen und die Fähigkeiten in der Praxis anwenden zu können und damit sein Geld zu verdienen.

Sehr gefallen hat mir außerdem das umfangreiche Exkursionsangebot. Reisen nach Rumänien und zu anderen Orten und Ländern boten nicht nur viel fachliches Wissen, sondern auch sehr viel Spaß mit Lehrenden und Mitstudierenden.

Das Studentenleben in der Stadt Kassel war ein tolles Erlebnis. Während viele Freunde während des Studiums in der Kleinstadt Höxter am Wochenende in die Heimat gefahren sind, war dies in Kassel anders. Ich denke, dass die Studis ihr Leben eher hierhin verlagern, als das in Höxter der Fall war. In einer größeren Stadt ist einfach „mehr Leben“, das gilt auch für den Campus. Ich habe dort viele schöne Abende mit meinen Freunden verbracht.

In meinem Beruf bin ich vor allem in der praktischen und weniger in der rein konzeptionellen Landschaftsplanung unterwegs. Das heißt meine Arbeit besteht zu großen Teilen aus Geländearbeit, darunter viele Brut-, Rast- und Zugvogelkartierungen im Zuge des Windenergieausbaus. In meiner anschließenden „Bürozeit“ am Schreibtisch arbeite ich außerdem an verschiedenen Gutachten zu naturschutzfachlichen Flächenoptimierungen. Ein weiterer Schwerpunkt meiner Arbeit ist ein Lehrauftrag an der Universität Kassel.

Ein typischer Arbeitstag im Frühjahr und Frühsommer, also zur Haupterfassungszeit von Brutvögeln, beginnt mit sehr frühem Aufstehen. Die Kartierungen fangen bestenfalls noch vor Sonnenaufgang an. Während früher mit Stift und ausgedruckter Karte gearbeitet wurde, laufen die Kartierungen heutzutage digital mit Tablet und Erfassungsapps. Die Digitalisierung hat also erfreulicherweise auch in der praktischen Geländearbeit Einzug gehalten.

Besonders Spaß machen mir naturschutzfachliche Gutachten, für die ich alle wesentlichen planerischen Schritte abarbeite: Von der Kartierung vorkommender wertgebender Arten und der Festlegung von Zielarten, über die Formulierung von Konzepten und Leitbildern, bis hin zur Planung konkreter Maßnahmen. Besonders reizvoll an dieser Arbeit ist für mich, dass eigene Ideen und Vorstellungen in die Realität umgesetzt werden und ich dadurch einen unmittelbaren Beitrag für den Natur- und Artenschutz leisten kann. Ich habe das Gefühl, dass einem diese Möglichkeit im Berufsleben oft verwehrt bleibt und gute Ideen und Planungen ins Leere laufen können. Es bereitet mir große Freude eigene Planungen nach einigen Jahren zu besuchen und Tier- und Pflanzenarten vorzufinden, die dort ohne das eigene Schaffen keine Lebensräume vorfinden würden. Das ist die größte Motivation für meine Arbeit.

 

Mein Berufsbereich ist Menschen zu empfehlen, die gerne draußen sind. Das ist glaube ich jeder gerne, aber ob man dann wirklich damit klar kommt früh aufzustehen und rauszugehen, auch wenn mal nicht die Sonne scheint, ist vielleicht nochmal eine andere Frage. Bei mir gehört auch viel eigenständiges Arbeiten und Organisieren dazu, grade als Selbstständiger. Dennoch sollte man das Arbeiten im Team mögen, denn Kommunikation und Erfahrungsaustausch gehört stets dazu.

Fachlich sind für mich ökologische Themen und die Kenntnis von Ansprüchen und Merkmalen von Arten besonders wichtig, eine untergeordnete Rolle nehmen hingegen technische Fragestellungen ein. In meiner Arbeit ist man auch nicht künstlerisch kreativ wie etwa in der Landschaftsarchitektur, aber Kreativität ist dennoch Teil meiner Arbeit. Im Rahmen von landschaftsplanerischen und naturschutzfachlichen Planungen gibt es oft eine Vielzahl von Möglichkeiten Ziele zu formulieren sowie Konzepte und Maßnahmen zu entwickeln. Natürlich darf dabei nichts „aus der Luft gegriffen“ sein, sondern muss immer fachlich begründet werden. Der Umgang mit vorkommenden Schutzgütern, Interessenskonflikten und Akteuren erfordert daher zugleich wissenschaftlich fundiertes und kreatives Denken.

Angehende Landschaftsplaner*innen haben super Berufsperspektiven. Vor allem Menschen mit Artenkenntnis sind gefragt. Wer sich also vorstellen kann viel Zeit mit Wildbienen, Vögeln, Amphibien & Co. zu verbringen, dem kann ich nur empfehlen einen ähnlichen Berufsweg wie ich zu gehen.