Aus­bil­dung zur wis­sen­schaft­li­chen Bi­blio­the­ka­rin/zum wis­sen­schaft­li­chen Bi­blio­the­kar

Jeweils zwei Personengruppen im Gespräch mit Buch in der HandBild: Paavo_Blåfield

Was ist das Bi­blio­theks­re­fe­ren­da­ri­at?

Die Ausbildung zur wissenschaftlichen Bibliothekarin/zum wissenschaftlichen Bibliothekar des höheren Bibliotheksdienstes erfolgt in Hessen im Rahmen eines Bibliotheksreferendariats.


Die Universitätsbibliothek Kassel ist eine der Ausbildungsbibliotheken innerhalb des hessischen Bibliotheksverbundes, an denen die praktische Ausbildung absolviert werden kann. Die Ausbildung dauert zwei Jahre.

Was sind spä­te­re Auf­ga­ben­fel­der von wis­sen­schaft­li­chen Bi­blio­the­ka­rin­nen/Bi­blio­the­ka­re?

Das Einsatzgebiet wissenschaftlicher Bibliothekarinnen/Bibliothekare umfasst sowohl fachwissenschaftliche als auch organisatorische Aufgaben:

Als Fachreferentinnen sind sie für die Auswahl, sachliche Erschließung und Vermittlung der Fachliteratur der verschiedensten Wissenschaftsfächer zuständig und somit ein wichtiges Bindeglied zwischen Forschung und Bibliothek.

Auch die Informationskompetenzvermittlung an Forschende und Studierende fällt in ihren Arbeitsbereich. Ein wachsendes Aufgabenfeld für wissenschaftliche Bibliothekarinnen/Bibliothekare bietet der Bereich der forschungsnahen Dienstleistungen.
Sie übernehmen auch Leitungsaufgaben, entwickeln neue Konzepte und Dienstleistungen sowie führen Projekte durch.

Die theoretische Ausbildung findet parallel zur praktischen Ausbildung in Form des postgradualen Fernstudiums Bibliotheks- und Informationswissenschaft mit festgelegten Präsenzanteilen am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin statt.

Des Weiteren werden gemeinsam für alle hessischen Referendar:innen praxisbegleitende Lehrveranstaltungen abgehalten, die sowohl zentral als auch dezentral bei den Bibliotheken des hessischen Bibliotheksverbundes stattfinden.

Die Ausbildung wird mit der Erlangung des Master of Arts (Library and Information Science) und der hessischen Laufbahnprüfung für den Höheren Dienst abgeschlossen.

Durch die enge Verzahnung von Theorie und Praxis werden im Referendariat die unterschiedlichen Abteilungen der Universitätsbibliothek Kassel durchlaufen und Fachwissen sowohl vor Ort durch die Mitarbeitenden der Bibliothek als auch im Fernstudium in Berlin vermittelt. Während die Referendare/Referendarinnen im ersten Ausbildungsjahr einen Einblick in die Arbeitsprozesse in den einzelnen Abteilungen erhalten, können im zweiten Ausbildungsjahr individuelle Schwerpunktsetzungen, z. B. im Fachreferat, in den forschungsnahen Dienstleistungen oder in landesbibliothekarischen Aufgaben, erfolgen. Diese können auch im Rahmen der Masterarbeit vertieft werden.

Als Referendar/Referendarin erhält man darüber hinaus besondere Einblicke in die organisatorischen Abläufe sowie inhaltliche und strukturelle Entwicklungsprozesse innerhalb der Bibliothek und der Universität.

Die Auswahl der Referendare und Referendarinnen erfolgt durch die Universitätsbibliothek Kassel, an die die Bewerbung direkt zu richten ist. Die Ausschreibungen werden zu Beginn jedes zweiten Jahres veröffentlicht. Bewerbungsschluss ist jeweils der 31. März, der Einstellungstermin jeweils der 1. Oktober eines Jahres.

Für das Bibliotheksreferendariat sollten Bewerberinnen und Bewerber ein Hochschulstudium (Master, Magister, Diplom, Staatsexamen) in einer passenden Fachrichtung absolviert haben. Darüber hinaus müssen die Voraussetzungen für eine Ernennung als Beamtin Beamter  auf Widerruf (u. a. Höchstalter 40 Jahre, EU-Staatsbürgerschaft) erfüllt werden. Weiterhin wünschenswert sind Medienkompetenz, Dienstleistungsorientierung und Organisationsgeschick sowie IT-Kenntnisse.

Rechtsgrundlage für die Ausbildung in Hessen ist die Ausbildungs- und Prüfungsordnung für den höheren wissenschaftlichen Dienst an wissenschaftlichen Bibliotheken im Lande Hessen.

Die Arbeitszeit beträgt 41 Stunden pro Woche. Die Beschäftigten der Universitätsbibliothek nehmen an der gleitenden Arbeitszeit teil, sodass die individuelle Arbeitszeit im Rahmen der Vorgaben der Gleitzeitverordnung flexibel gestaltet werden kann.

Die Vergütung richtet sich nach der hessischen Besoldung für Anwärter:innen des höheren Dienstes (HBesG AW A13).

Eine Bibliotheksreferendarin/ein Bibliotheksreferendar sollte Freude daran haben, Serviceleistungen anzubieten und fortlaufend weiterzuentwickeln. Da digitale Services eine zunehmende Rolle in den Bibliotheken spielen, sollte darüber hinaus eine gewisse Medienkompetenz und IT-Affinität vorhandein sein.

Ju­lia, Re­fe­ren­da­rin an der Uni Kassel im In­ter­view

Mit welchen Inhalten beschäftigst du dich in deiner Ausbildung?

Während des Referendariats beschäftige ich mich mit unter anderem mit den Servicedienstleistungen der Bibliothek und den damit verbundenen Abläufen in den einzelnen Bibliotheksabteilungen. Das praktische Handlungswissen wird durch theoretisches Fachwissen gefestigt, welches sowohl an den Ausbildungsstandorten als auch im Fernstudium vermittelt wird. Mein Arbeitsschwerpunkt liegt perspektivisch in der Mitarbeit im Fachreferat und in den forschungsnahen Dienstleistungen. Im zweiten Ausbildungsjahr kann ich meine individuellen Interessen vertiefen und in diesem Rahmen auch meine Masterarbeit erstellen.

Portraitfoto
Julia im Gespräch

Warum hast du dich für eine Ausbildung und speziell diese entschieden?

Nach meiner Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin habe ich nach beruflichen Perspektiven gesucht, die mir ermöglichen, Wissenschaft und Forschung auf einer strukturellen Ebene zu unterstützen. Dabei bin ich auf die Ausschreibung für das Bibliotheksreferendariat aufmerksam geworden. Mir gefällt dabei, dass dieses auf der einen Seite durch den strukturierten Aufbau den Erwerb umfassenden bibliothekarischen Wissens erlaubt, sich zugleich aber immer wieder genügend Freiräume bieten, erworbenes Wissen in der Praxis auszutesten und in Projekte hineinzuschnuppern.

Was möchtest du anderen gerne noch mitgeben?                                               

In der Wissenschaft sind Karrieremöglichkeiten außerhalb der tradierten Forschungslaufbahn selten ein Thema. Bibliotheken brauchen aber insbesondere im höheren Dienst wissenschaftsaffines Personal, das im engen Kontakt mit den Fachbereichen steht und die Services auf die Bedürfnisse des Wissenschaftspersonals ausrichten und weiterentwickeln kann. Dabei ergeben sich gerade im höheren Bibliotheksdienst viele Freiräume, um Services mitzugestalten und eigene Ideen einzubringen.

Be­wer­bungs­­zeit­­raum

Die aktuelle Bewerbungsfrist ist leider abgelaufen.

Frag dich vor­her, ob du...

  • ... du gerne Forschende und Lehrende auf struktureller Ebene unterstützen möchtest.
  • ... dir die Entwicklung neuer Ideen Freude bereitet.
  • ... dir eine serviceorientierte Arbeitsweise liegt.

oder ob

  • ... du eigentlich lieber als Wissenschaftlerin /Wissenschaftler arbeiten möchtest.
  • ... du lieber alleine für dich arbeitest.
  • ... du kein Interesse an einem weiteren Studium und einer theoretischen Ausbildung hast.